Auszeichnugsveranstaltung UN Women

Seit vielen Jahren unterstützt die Stadt Bonn die Arbeit des Nationalen Komitees von UN Women. Heute wird hier die Initiative „Empower Women“ ausgezeichnet.
Die Initiative arbeitet dafür, dass Frauen wirtschaftlich gestärkt werden und sie am digitalen Leben teilhaben können. Frau Falth wird uns nachher noch genauer erzählen, wie die Initiative arbeitet. Damit wird heute eine Initiative geehrt, die weltweit zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit beiträgt.

Das Thema Geschlechtergerechtigkeit gewinnt am internationalen Standort Bonn zunehmend an Bedeutung. Hier in Bonn sind die Zukunftsthemen der Menschheit verankert. In Bonn wird an vielen Orten, in zahlreichen Organisationen zur Realisierung der globalen Entwicklungsagenda gearbeitet. Von hier kommen Impulse zur Verwirklichung der globalen Nachhaltigkeitsziele.
Sie kommen von Institutionen wie dem Zentrum für Nachhaltigkeit des Mitarbeitercolleges der Vereinten Nationen, dem UNSSC, und der Globalen Aktionskampagne für die nachhaltigen Entwicklungsziele, der SDG Action Campaign. Um das Ziel fünf, die Gleichstellung der Geschlechter, besonders in den Fokus zu nehmen, wurde vor zwei Jahren in Bonn das Netzwerk „Gender@International Bonn“ initiiert. Gemeinsam mit UN Women und weiteren internationalen Organisationen am Standort ist die Stadt Bonn Gründungsmitglied des Netzwerks.

Aber noch immer ist viel zu tun, um wirkliche Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen. Der „Gender Gap Report 2016“ des Schweizer Weltwirtschaftsforums malt dazu ein erschreckendes Bild:
Beim derzeitigen Tempo werde es noch 170 Jahre dauern, bis Frauen und Männer dieselben Chancen erhalten. Und dieses Tempo hat sich gegenüber dem Vorjahr noch verlangsamt!
Wenn wir uns Zahlen aus dem Bericht zur wirtschaftlichen Situation von Frauen angucken, dann sagen sie uns Folgendes:
Frauen haben um 59% geringere Chancen als Männer, um am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen.
Weltweit verdienen Frauen durchschnittlich nur 77% von dem, was Männer verdienen.
Frauen arbeiten öfter Teilzeit.
Frauen verbringen zweieinhalb mal so viel Zeit mit unbezahlter Arbeit wie Männer. Insgesamt sind ihre Arbeitstage mit bezahlter und unbezahlter Arbeit daher länger.
Frauen haben heutzutage ähnlich gute Ausbildungschancen. Dies hat allerdings ihre ökonomische Situation nicht in gleicher Weise verbessert.

Die wirtschaftlichen Chancen von Männern und Frauen weltweit unterscheiden sich also substantiell. Das ist die globale Situation. Aber auch in Deutschland, in Bonn zeigt sich dies.
Beim Blick in den Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn beispielsweise kann man sehen, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Kommunalverwaltung nur 37,5 % beträgt, also etwas mehr als ein Drittel. Bei Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen hingegen ist der Anteil von Frauen höher als der von Männern. Hier spielen Armut im Alter und eine geringe Rente bei Frauen eine große Rolle.

Es gibt also noch einiges zu tun, um die wirtschaftliche Situation von Frauen zu stärken.
Daher bin ich froh, dass es UN Women gibt, dass es Sie, Frau Nordmeyer, und Ihr Team aus Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen gibt. Die Stadt Bonn ist stolz darauf, Sitz und Netzwerkpartnerin Ihres Komitees zu sein. Und ich bin auch froh, dass es dank der Stiftung Apfelbaum immer wieder Gelegenheit gibt, gute Beispiele zu würdigen und zu fördern. Denn diese Beispiele machen Mut.

Verleihung Berufswahlsiegel 2017

Diese Auszeichnung „Berufswahlsiegel“ ist mir wichtig, weil es sich bei der Studien- und Berufswahl junger Menschen um ein wesentliches Lebensthema handelt und weil sich hier beispielhaft zeigt, wie fruchtbar eine gute nachbarschaftliche Kooperation und Arbeitsteilung in der Region sein kann, die auf den Schultern vielfältiger Partner ruht. Es ist schön zu sehen, dass unsere Netzwerkpartner, die Kammern, Verbände und die Arbeitsagentur, aber vor allem die Schülerinnen und Schüler selbst sich bei der Suche nach „ihren“ Bildungsorten wie Schulen, Ausbildungsplätzen, Berufskollegs und Hochschulen nicht an kommunalen Grenzen orientieren. So ist es nur konsequent, die Aufgabe Studien- und Berufsorientierung regional und nicht lokal zu betrachten.

Die heutige Auszeichnungsfeier möchte ich zum Anlass nehmen, das Berufswahlsiegel im Zusammenhang mit dem gesamten Prozess „Studien- und Berufsorientierung“ zu betrachten. Dabei soll der Blick vor allem auf die langjährige erprobte regionale Zusammenarbeit zwischen dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn gerichtet werden.
Im Thema „Übergang Schule – Beruf“ kooperiert die Stadt Bonn seit 2008 mit dem Rhein-Sieg-Kreis und weiteren bedeutenden Akteuren wie der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, den Handwerkskammern und der Arbeitsagentur. Diese Zusammenarbeit ist inzwischen eine Erfolgs­geschichte in der Region und hat zu einem vertrauensvollen Miteinander geführt, das durch die Arbeit in gemeinsamen Projekten und Gremien über die Jahre gewachsen ist. Auf diese Kooperation können wir stolz sein. Sie hat gute und greifbare Ergebnisse hervorgebracht. Motor und Akteur sind die beiden Regionalen Bildungsbüros in den Schulämtern von Bonn und vom Rhein-Sieg-Kreis. Als Team entwickeln sie gemeinsam Strategien und setzen diese jeweils im eigenen Wirkungsbereich und mit ihren Partnern vor Ort um.

Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland in Deutschland ein verbindliches landesweites System für den reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf aufgebaut. Das Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ist ein wichtiger Teil der Bildungskette. Mit der Potenzialanalyse, einem gemeinsamen Kompetenzcheck der Schülerinnen und Schüler in den 8. Klassen, beginnt dieses System. Weiter geht es mit den Berufsfelderkundungen, bei denen die Schülerinnen und Schüler im zweiten Schulhalbjahr die Gelegenheit erhalten, drei verschiedene Betriebe im Rahmen von Tagespraktika kennenzulernen, um so die Auswahl eines mehrwöchigen Schülerpraktikums vorzubereiten.
Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf profitieren im Hinblick auf die Berufsorientierung von weiteren Angeboten und Maßnahmen, wie zum Beispiel den Praxiskursen und einer intensiven Übergangsbegleitung im Rahmen des Programms zur „Förderung der Ausbildungsreife“.
Seit 2013 nehmen die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis an der Landesinitiative mit ihren Projektbausteinen „KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss“ teil. Die enge Verflechtung und Zusammenarbeit von Stadt und dem umgebenden Kreis im Übergang Schule – Beruf ist beispielhaft und ein Alleinstellungsmerkmal.
Doch welche Rolle spielt das Berufswahlsiegel nun im Zusammenspiel mit dem umfassenden Landesprogramms „Kein Abschluss ohne Anschluss“? Während das Landesprogramm den Schulen Standardelemente aufgibt, die seit dem Schuljahr 2016/17 für alle öffentlichen Schulen verpflichtend sind, orientiert sich das Berufswahlsiegel an dem, was die Bewerber-Schulen darüber hinaus individuell und passgenau für ihr jeweiliges Profil für die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern zur Unterstützung des Studien- und Berufswahlprozesses anbieten. KAoA gibt also vor, WAS gemacht werden muss und das Berufswahlsiegel bestimmt das WIE und zeigt darüber hinaus, welche weiteren Ideen, Angebote und Möglichkeiten es im Bereich der Berufsorientierung gibt. Man könnte also auch von Pflicht und Kür sprechen.

Heute haben wir die angenehme Aufgabe, uns mit den Ergebnissen der Kür zu beschäftigen. Die Diskussion zu den Fragen, wie wir den erfolgreichen Übergang junger Menschen von der Schule in die Ausbildung und später in den Beruf wirkungsvoll unterstützen können, führen wir an vielen Stellen und mit vielen Experten. Das Berufswahlsiegel lenkt unseren Blick jedes Jahr wieder ganz konkret in die Praxis: Juroren aus der Wirtschaft und der Verwaltung gehen in die Schulen. Dort erleben sie hautnah, wie die jeweilige Schule im Umgang mit Berufsorientierung „tickt“, sie sprechen mit Schulleitungen und Lehrerinnen und Lehrern, wie das Thema Berufsorientierung erarbeitet wird und hören, wie Schülerinnen und Schüler das für sich erleben.

Die Gespräche bereichern alle Beteiligten. Sie sind sinnvoll und nötig, um die Realität zu verstehen und dort anzuknüpfen, wenn es um die Weiterentwicklung des Themas geht. Die Jury-Mitglieder wiederum tauschen sich untereinander in der Gesamtjury aus, sie bringen ihre Erfahrungen in das Gremium und in die Projekte zum Übergang Schule – Beruf ein. Zudem sammeln sie selbst neue Erfahrungen, die für sie persönlich sehr gewinnbringend sein können. Wir können hier von einer „Qualitätsspirale“ sprechen und das ist es, was einen Prozess erfolgreich werden lässt. Ein sehr angenehmer und nützlicher Effekt dieser langen gemeinsamen Arbeit ist das solide Netzwerk, aus dem heraus dann beispielsweise unkompliziert und auf kurzen Wegen die Besetzung der Jury für das Berufswahlsiegel gebildet werden kann. In diesem Jahr haben 20 Jurorinnen und Juroren in den Audit-Teams mitgearbeitet. Viele von Ihnen sind heute hier anwesend. Daher nutze ich die Gelegenheit und danke Ihnen für Ihr Engagement und für Ihre Zeit, die Sie eingebracht haben! Mein Dank geht aber auch an das Regionale Bildungsbüro Bonn für die Organisation des Siegel-Prozesses.

Persönlich freue ich mich, dass heute auch die Schule ausgezeichnet wird, an der 2 meiner Kinder das Abitur gemacht haben!