Tagung der Dalton-Vereinigung Deutschland in der Marie-Kahle-Gesamtschule

15-09-10-Daltontagung-960x332Die Marie-Kahle-Gesamtschule Bonn, selbst zertifizierte Dalton-Schule und mit dem Gymnasium Alsdorf aktiv in der Dalton-Vereinigung Deutschland, veranstaltet am 10. und 11.9. die diesjährige Dalton-Tagung. Die Dalton-Methode, die als pädagogisches Prinzip heute in einem Atemzug genannt wird mit Namen wie Pestalozzi, Freinet, Montessori, Fröbel oder Peter Petersen, hat eine lange Entstehungsgeschichte. Vor etwa 100 Jahren hat sich die junge Lehrerin Helen Parkhurst die Frage gestellt, wie verschiedene Kinder mit verschiedenen Fähigkeiten und Talenten in einem Raum optimal lernen können. Diese Frage ist heute genauso aktuell wie damals und lässt sich – ein wenig erweitert – auch auf andere Bereiche ausdehnen. Aber darauf komme ich später noch einmal zurück.

Wir ordnen die Schülerinnen und Schüler in Klassenstufen ein und verbinden damit vielfach den Anspruch, dass alle in dieser Klasse in der gleichen Zeit die gleichen Inhalte lernen sollen.
Dabei vergessen wir, dass sich diese Schülerinnen und Schüler unterscheiden. Sie unterscheiden sich nicht nur im Aussehen oder in ihrer Herkunft, sondern beispielsweise auch in ihren Charakterzügen und ihren Talenten. Die scheinbare Homogenität einer Klasse, die wir voraussetzen, ist tatsächlich nicht vorhanden. Dies ist auch nicht davon abhängig, ob in einer Gruppe Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unterrichtet werden. Generell gibt es enorme Alters- und Entwicklungsunterschiede, ganz zu schweigen von unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen.

Genau dieser Heterogenität begegnet die Dalton-Pädagogik. Sie ist eine Methode zur Binnendifferenzierung. Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche individuelle Lernziele definieren und verfolgen können und auch sollen. Es geht um wesentlich mehr als um die Anerkennung von Verschiedenheit. Es geht um Wertschätzung und Vertrauen, um die Förderung der sozialen Kompetenz und um Freiheit – konkret um die Freiheit, sich für einen Lernstoff zu entscheiden und diesen auch zu verfolgen. Zugleich lernen die Schülerinnen und Schüler den Respekt vor der Freiheit und den Entscheidungen der anderen. Es geht also im Kern um Inklusion als Wertschätzung gegenüber dem anderen, als Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die des anderen, als Verantwortung für sich und die anderen.

„Jede und jeder soll selbstverständlich nach ihren bzw. seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen als vollwertiges Mitglied an unserer Gesellschaft teilhaben können“ – so könnte man das Credo von Inklusion formulieren.
Und genau das ist es, was wir uns in Bonn auf die Fahne geschrieben haben: Inklusion! Wir möchten eine Stadt für Alle sein! Wir möchten eine Stadtgesellschaft sein, in der jede und jeder gleichberechtigt teilhaben kann. Verschiedenheit soll als normal und bereichernd erlebt werden. Jede und jeder soll mit ihren bzw. seinen Fähigkeiten und Wünschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Nach dem Verständnis der Stadt Bonn ist Inklusion mehr als die Integration von Menschen mit Behinderung. Nach unserem Verständnis ist es weit mehr als die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Förderbedarf. Bei inklusiver Bildung geht es darum, allen Kindern ein chancengerechtes Aufwachsen zu ermöglichen. Das bedeutet, dass sie in ihren eigenen Möglichkeiten gesehen und gestärkt werden müssen. Darum, und hier schließt sich der Kreis, geht es auch bei Dalton.
Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das Arbeiten nach Dalton, dass sie sich in den eigenen Fähigkeiten wahrgenommen fühlen und, dass sie zugleich gefordert werden, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Unterschiedlichkeit nehmen sie dabei als selbstverständlich wahr. Das ist gelebte Inklusion!

Ich bin sicher, dass Erkenntnisse aus dieser Konferenz zurückfließen werden in den Schulalltag dieser Schule, die bereits erfolgreich nach dem Dalton-Prinzip arbeitet. Vielleicht werden dadurch auch andere Schulen beflügelt, sich aktiv mit dem Dalton-Prinzip auseinanderzusetzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.