Archiv der Kategorie: Frauen

Ausstellung „100 Jahre Frauenpolitischer Aufbruch – vom Frauenwahlrecht zum Frauenmandat“

Die Ausstellung, die wir heute – am Tag der Deutschen Einheit – eröffnen, behandelt eine wichtige politische und gesellschaftliche Thematik. Schließlich ist das allgemeine gleiche Wahlrecht ein zentraler Pfeiler unserer demokratischen Grundordnung. Es ist eine Errungenschaft, auf die wir stolz sein dürfen. Sie gehört zur Demokratiegeschichte Deutschlands.
Seit nunmehr 100 Jahren können Frauen in unserem Land wählen und gewählt werden. Dieses Recht ist für die gleichberechtigte politische Teilhabe von Frauen und Männern grundlegend!
Auch ist das Frauenwahlrecht nicht „vom Himmel gefallen“! Es ist wichtig, dass wir uns das bewusst machen. Daher ist es gut, dass sich dieses Projekt dem Thema widmet. Schließlich ist heute offensichtlich vielen nicht mehr bewusst, dass das Stimmrecht Teil unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist. Stellen wir Frauen uns also gemeinsam dieser Mitverantwortung!
Denn auch nachfolgende Generationen wollen ein Land vorfinden, in dem sie gerne leben und gute Lebens- und Arbeitsbedingungen antreffen! Dies ist mir nicht nur als Repräsentantin der Stadt Bonn ein wichtiges Anliegen. Natürlich ist es das auch als Frau, gerade als Frau, die für Bonn Politik macht!

Die Beteiligung von Frauen in der Politik ist auch in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich! So hat der Rat der Stadt Bonn zum Beispiel nur einen Anteil von 31% Mandatsträgerinnen. Von 8 Fraktionen, die im Rat vertreten sind, haben 2 keine weiblichen Stadtverordneten, 5 Fraktionen haben einen Anteil von 25 Prozent und weniger. Nur 3 Fraktionen haben eine quotierte Wahlliste und daher einen Frauenanteil von 50 Prozent. Und diese Zahlen können jederzeit auch weiter sinken!

In vielen Teilen der Welt werden Frauen und Männer, wie wir wissen, immer noch sehr ungleich behandelt. Auch in der westlichen Welt ist es leider nach wie vor Realität, dass Frauen gegenüber Männern in vielen Bereichen das Nachsehen haben.
Daher ist es wichtig, weltweit, aber auch in Deutschland die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Frau zu fördern und diese Förderung auch immer wieder einzufordern.

Ich wünsche der Ausstellung und der Arbeit des Frauenmuseums im Allgemeinen guten Erfolg. Es wäre schön, wenn sie viele Menschen erreichen würde!

Jubiläum 25 Jahre UN Women

25 Jahre UN WomenGerne überbringe ich die Glückwünsche der Stadt Bonn zum 25jährigen Bestehen des Deutschen Komitees für UN Women in Bonn.
Seit vielen Jahren hat die Stadt Bonn dessen Arbeit begleitet und unterstützt. Das Thema Geschlechtergerechtigkeit wird in Bonn natürlich lokal bearbeitet. Aber es gewinnt zunehmend auch an Bedeutung am Internationalen Standort Bonn. Schließlich ist die Stadt Bonn gemeinsam mit UN Women Nationales Komitee Deutschland unter den Gründungsmitgliedern des Netzwerks „Gender@International Bonn“ – und unser Oberbürgermeister ein HeforShe!
2016 ist ein Jahr der Jubiläen. Wir haben 20 Jahre Vereinte Nationen in Bonn gefeiert und sind froh darüber, dass Bonn sich als Schaltstelle der Nachhaltigkeit, als „Powerhouse“ international einen Namen gemacht hat. Hier in Bonn sind die Zukunftsthemen der Menschheit verankert. Auch die Impulse zur Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklungsziele werden aus Bonn kommen, betrieben von Stellen wie dem Zentrum für Nachhaltigkeit des Mitarbeitercolleges der Vereinten Nationen und der Globalen Aktionskampagne für die nachhaltigen Entwicklungsziele.
Das Ziel 5 der Gleichstellung der Geschlechter, meine Damen und Herren, ist jedoch ein Querschnittsziel, das sich durch fast alle anderen Ziele zieht und ein Schlüssel zu ihrer Erreichung sein wird.

Armut, Hunger, Klimafolgen, schlechte Wasserversorgung haben auf Frauen immer noch andere Auswirkungen als auf Männer. Krisen, Unsicherheit und Ungleichgewicht gefährden sie stärker und anders als Männer. Frauen und Mädchen sind global benachteiligt bis ausgeschlossen vom Zugang zu Bildung, zu Teilhabe, zu Macht. Gehören sie gleichzeitig zu benachteiligten Gruppen – Migrantinnen, Minderheiten, allein erziehende Mütter – haben sie große Probleme auch im deutschen Bildungssystem. Geflüchtete Frauen treffen auf besonders große Hürden. Bildungszugänge nach Fähigkeiten zu vergeben und Mädchen und Frauen aktiv zu unterstützen, zum Beispiel durch Mentoringprogramme, das forderten Bonner Frauenorganisationen in einem Workshop des Netzwerks Gender@International Bonn.
Die andere Seite sind Frauen als Gewaltopfer. Auch, wenn für Frauen, Frieden und Sicherheit mit der Resolution 1325 des Weltsicherheitsrats ein Leuchtfeuer angezündet wurde, so ist die Realität weit vom Anspruch entfernt. Jede dritte Frau in Europa ist eine Gewalt-Überlebende. Die Bonner Frauenhäuser sind überfüllt. Gerade in Krisengebieten und fragilen Regionen haben Frauen stets auch sexualisierte Gewalt zu befürchten. Nicht umsonst hat UN Women zum Beispiel nach den Erdbeben in Nepal für Hygieneartikel für Frauen gesammelt, um diesen Frauen mehr Sicherheit vor Übergriffen zu geben. Nicht umsonst sollen bei uns in Deutschland Gewaltschutzprogramme die Situation von Frauen in Flüchtlingsunterkünften verbessern.

Ich freue mich sehr, dass der heutige Abend nicht nur das Jubiläum feiert, sondern auch in guter Tradition diejenigen würdigt, die sich für Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen einsetzen. Die Stiftung Apfelbaum und UN Women Nationales Komitee Deutschland zeichnen beispielhafte Projekte, die oftmals nicht nur das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit unterstützen, sondern vielfach auch andere Nachhaltigkeitsziele. Gerade in fragilen Regionen – ob durch Armut oder durch Krisen oder beides instabil in Gesellschaft und Wirtschaft – bedürfen Frauen vielfacher Stärkung. Deshalb ist die Arbeit des UN Women Fonds für die Gleichstellung der Geschlechter so bedeutsam. Denn er setzt sich besonders für die wirtschaftliche und politische Eigenständigkeit von Frauen ein.
Heute Abend freue ich mich daher nicht nur auf den gemeinsamen Rückblick auf die Erfolgsgeschichte des Deutschen Komitees, sondern auch auf die Begegnung mit einer spannenden Initiative.
Die Stadt Bonn ist stolz darauf, Sitz und Netzwerkpartnerin des Komitees zu sein und auch die heutige Veranstaltung mit auszurichten. Ich freue mich auf interessante Vorträge und Begegnungen. Auch im Namen von Oberbürgermeister Sridharan und 317.000 Bonnerinnen und Bonnern wünsche ich Ihnen und uns weiterhin einen langen Atem und viel Unterstützung bei der Verwirklichung von Geschlechtergleichstellung in Bonn und weltweit.

40 Jahre Autonome Frauenhäuser in Bewegung

„Besser handeln als sich misshandeln lassen!“hilfetelefon_banner
Dieser Aufruf in der Kopfzeile der Konzeption des Bonner Autonomen Frauenhauses passt gut zum Thema der heutigen Fachtagung »Gewalt gegen Frauen beenden«.

Es ist kaum zu glauben und gleichzeitig untragbar, dass im 21. Jahrhundert und in unserer „modernen“ Welt Gewalt gegen Frauen immer noch ein Thema ist. In Zeiten des Zuzugs vieler Frauen aus Ländern, in denen Gleichberechtigung und Emanzipation im Alltag nicht selbstverständlich ist, ist das Thema sogar aktueller denn je. Die Ereignisse an Silvester 2015 in Köln haben gerade hier im Rheinland zu neuen Diskussionen geführt. Leider wurde dabei allzu stark auf rassistische Hintergründe abgezielt. Der Blick auf die alltägliche sexualisierte Gewalt geriet in den den Hintergrund. Dabei wollen wir es aber nicht belassen!

Gewalttaten verfolgen, den Opferschutz bei häuslicher Gewalt verbessern und verlässliche Hilfestrukturen etablieren sowie die Entwicklung von Standards in der Zusammenarbeit zum Abbau häuslicher Gewalt sind dauerhaft wichtige Anliegen. Seit nunmehr 40 Jahren werden diese Anliegen durch die Autonomen Frauenhäuser und seit 1980 auch durch die ZIF mit Nachdruck verfolgt. Sie machen sich stark dafür, dass das Thema »Gewalt gegen Frauen« nicht in den Hintergrund gerät.

Sie setzen sich dafür ein, die Situation der Betroffenen zu verbessern. Denn durch die intensive und mit viel Engagement betriebene Arbeit können Frauen auf ein umfassendes Netzwerk kompetenter und vor allem auch „menschlicher“ Hilfe zugreifen. Durch die Aufnahme in einem Frauenhaus und die umfassende nachsorgende Arbeit kann oft Schlimmeres verhindert werden. Nicht außer Acht gelassen werden darf hier vor allem die psychische Komponente mit dramatischen Folgen.

Die Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ und das Autonome Frauenhaus sind zusammen mit dem Frauenhaus und der Beratungsstelle von „Hilfe für Frauen in Not“ ein wichtiges Angebot der sozialen Infrastruktur in Bonn. Sie sind eine wirkungsvolle Hilfe für betroffene Bürgerinnen und deren Kinder.

Seitdem die ersten Frauenhäuser entstanden und »Gewalt gegen Frauen« aus dem Privatbereich heraus ein öffentliches Thema wurde, hat sich in unserer Stadt einiges bewegt und geändert. »Gewalt gegen Frauen« ist kein Tabu-Thema mehr. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Schutz- und Hilfemaßnahmen hat sich durchgesetzt. Heute bieten in Bonn zwei Träger betroffenen Frauen und deren Kindern Schutz.

Die Stadt Bonn unterstützt die beiden Frauenhäuser mit der Finanzierung im Bereich der Personal- und Sachkosten. Zudem ist eine kleine, aber effektive Änderung auch im Leistungsbereich des Amtes für Soziales und Wohnen erfolgt: Dort kümmert sich eine weibliche Mitarbeiterin als feste Ansprechpartnerin um die sozialhilferechtlichen Belange der Bewohnerinnen.

Der Opferschützer der Bonner Polizei und die Frauenberatungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ arbeiten intensiv zusammen. An dieser Stelle möchte ich auch die Beratungsstelle „Frauen gegen sexualisierte Gewalt“ erwähnen, die auch durch die Stadt Bonn finanziell gefördert wird.

Allen, die für und mit von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern arbeiten, danke ich ganz herzlich für ihren Einsatz und ihr Engagement. Die Arbeit der Beratungsstelle und der Autonomen Frauenhäuser war in den vergangenen vier Jahrzehnten wichtig und sie ist es leider nach wie vor!

Ausstellungseröffnung im Frauenmuseum Bonn anlässlich des „Internationalen Tages zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen“

spinnerGewalt gegen Frauen tritt in unterschiedlichen Formen auf. Bundesweit hat jede 3. Frau in Deutschland schon einmal körper­liche und / oder sexuelle Gewalt erlebt. Laut polizeilicher Statistik wurden im Jahr 2014 in Bonn 471 Frauen Opfer von Gewaltkriminalität. Das bedeutet, dass in Bonn jeden Tag mindestens eine Frau Opfer von Gewalt wird. Dazu gehören Straftaten gegen das Leben, Körperverletzungsdelikte, Raubdelikte sowie Verge­waltigung und sexuelle Nötigung.

Frauen, die von Gewalt betroffen sind, können – gemeinsam mit ihren Kindern – Zuflucht in einem der zwei Bonner Frauenhäuser finden. Diese müssen immer wieder zusätzliche alternative Unterbringungsmöglichkeiten finden, da die vorhandenen Plätze nicht ausreichen. Zu den zwei Frauen­häusern gehört auch jeweils eine Beratungsstelle, an die sich von Gewalt betroffene Frauen wenden können.

Auch die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt bietet Beratung und Krisenintervention für sexuell missbrauchte und vergewaltigte Frauen und Kinder, ihre Bezugspersonen und Fachkräfte an. Langfristiges Ziel ist, durch Öffentlichkeitsarbeit und präventive Arbeit sexualisierter Gewalt entgegenzuwirken.
Aber es gibt auch über Bonn hinausgehende Aktionen, die auf das Thema aufmerksam machen und Frauen einen Weg aufzeigen, sich Hilfe zu holen. Beispielsweise führen der Arbeitskreis der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten Bonn/Rhein-Sieg, der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt im Rhein-Sieg-Kreis und der Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg anlässlich des diesjährigen »Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen« eine gemeinsame Aktion durch:
Die Kinos im Rhein-Sieg-Kreis und in der Stadt Bonn wurden gebeten, im November bzw. am 25.11. als Vorfilm den Spot „Stairs“ zu zeigen. Für diese Aktion hat die Gleichstellungsstelle der Stadt Bonn zudem Klapp­karten herausgegeben, in denen weibliche Gewaltopfer Tipps und Hinweise erhalten. Ich hoffe sehr, dass dadurch das tabuisierte Thema „Häusliche Gewalt“ in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erhält.

Die Ächtung von Gewalt und die Verbesserung des Schutzes bei häuslicher Gewalt, die Etablierung verlässlicher Hilfestrukturen im gesamten Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn sowie die Entwicklung von Standards für die Zusammenarbeit zum Abbau häuslicher Gewalt, das sind auch die gemeinsamen Ziele der genannten Arbeitskreise.

Der Arbeitskreis Opferschutz hat zudem das »Opferhilfehandbuch« herausgegeben, um Opfern, Zeugen und Zeuginnen, Angehörigen, aber auch Fachkräften eine Zusammenstellung bestehender Hilfsangebote im Bereich des Opferschutzes zu geben. Neben dieser unmittelbaren Krisen­hilfe soll das Handbuch auch weiterführende Informationen und Angebote vermitteln, die im Kontext von Gewalttaten oder Unfällen relevant sein können.

Im Jahr 2006 hat der Arbeitskreis das Projekt »Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS)« entwickelt. Mit diesem Modell haben die Betroffenen Zeit und Ruhe, sich den für sie belastenden Schritt einer Anzeigenerstattung nach einer Sexualstraftat in Ruhe zu überlegen. Mögliche Tatspuren werden anonym in den beteiligten Krankenhäusern erfasst und im Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn gelagert. In einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren ist es möglich, diese nach erfolgter Anzeige in einem Gerichtsverfahren verwerten zu lassen. Damit stehen unter Umständen wichtige Beweismittel zur Verfügung, die dem Opfer das Verfahren erleichtern und die Strafverfolgung verbessern.

Es ist unstrittig, dass die genannten Angebote wichtig und unerlässlich sind. Ebenso wichtig ist der heutige »Internationale Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen«.
Ich danke allen, die heute ins Frauenmuseum gekommen sind!

Vielen Dank!

20 Jahre Bonner Barbershop-Chor „Barberellas“

Nachdem 40 starke Frauen auf der Bühne so stimmgewaltig das „Happy Birthday“ gesungen haben, schließe ich mich als Bürgermeisterin gerne an. Ich gratuliere den Barberellas im Namen der Stadt Bonn sehr herzlich zum 20-jährigen Bestehen und ich wünsche weiterhin viel Freude an und mit der Musik. Ich wünsche der Chorgemeinschaft eine harmonische Entwicklung und gutes Gelingen für anstehende neue Projekte.

Das Kulturleben der Stadt Bonn wird von Musik in all Ihren Ausprägungen und Stilrichtungen geprägt. Barbershop – diese Musikrichtung ist in Deutschland noch nicht allzu lange vertreten. Im Mutterland des Barbershop, in den USA, haben Frauen erst vor knapp siebzig Jahren diese Männerdomäne erobert. In Bonn sind die Barberellas der erste Bonner Barbershop-Chor und damit auch ein Stück musikalische Emanzipation. Soviel Frauenpower steht einer Stadt gut!

Ich wünsche dem Chor und den Sängerinnen weiterhin viel Erfolg auf dem Weg zum 25-jährigen Bestehen, das ich im Jahr 2020 ja durchaus noch als Bürgermeisterin mitfeiern kann! Happy Birthday, Barberellas und vielen Dank!