Archiv der Kategorie: Kultur

Ausstellung „100 Jahre Frauenpolitischer Aufbruch – vom Frauenwahlrecht zum Frauenmandat“

Die Ausstellung, die wir heute – am Tag der Deutschen Einheit – eröffnen, behandelt eine wichtige politische und gesellschaftliche Thematik. Schließlich ist das allgemeine gleiche Wahlrecht ein zentraler Pfeiler unserer demokratischen Grundordnung. Es ist eine Errungenschaft, auf die wir stolz sein dürfen. Sie gehört zur Demokratiegeschichte Deutschlands.
Seit nunmehr 100 Jahren können Frauen in unserem Land wählen und gewählt werden. Dieses Recht ist für die gleichberechtigte politische Teilhabe von Frauen und Männern grundlegend!
Auch ist das Frauenwahlrecht nicht „vom Himmel gefallen“! Es ist wichtig, dass wir uns das bewusst machen. Daher ist es gut, dass sich dieses Projekt dem Thema widmet. Schließlich ist heute offensichtlich vielen nicht mehr bewusst, dass das Stimmrecht Teil unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist. Stellen wir Frauen uns also gemeinsam dieser Mitverantwortung!
Denn auch nachfolgende Generationen wollen ein Land vorfinden, in dem sie gerne leben und gute Lebens- und Arbeitsbedingungen antreffen! Dies ist mir nicht nur als Repräsentantin der Stadt Bonn ein wichtiges Anliegen. Natürlich ist es das auch als Frau, gerade als Frau, die für Bonn Politik macht!

Die Beteiligung von Frauen in der Politik ist auch in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich! So hat der Rat der Stadt Bonn zum Beispiel nur einen Anteil von 31% Mandatsträgerinnen. Von 8 Fraktionen, die im Rat vertreten sind, haben 2 keine weiblichen Stadtverordneten, 5 Fraktionen haben einen Anteil von 25 Prozent und weniger. Nur 3 Fraktionen haben eine quotierte Wahlliste und daher einen Frauenanteil von 50 Prozent. Und diese Zahlen können jederzeit auch weiter sinken!

In vielen Teilen der Welt werden Frauen und Männer, wie wir wissen, immer noch sehr ungleich behandelt. Auch in der westlichen Welt ist es leider nach wie vor Realität, dass Frauen gegenüber Männern in vielen Bereichen das Nachsehen haben.
Daher ist es wichtig, weltweit, aber auch in Deutschland die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Frau zu fördern und diese Förderung auch immer wieder einzufordern.

Ich wünsche der Ausstellung und der Arbeit des Frauenmuseums im Allgemeinen guten Erfolg. Es wäre schön, wenn sie viele Menschen erreichen würde!

Auszeichnung der Stipendiaten der Stiftung Kunstfonds

Ich begrüße Sie heute in unserem Kunstmuseum zu der Ausstellung „Viktoria Binschtok. Golden Horn / Golden Case“ und ich freue mich sehr, dass die Künstlerin persönlich anwesend ist. Liebe Frau Binschtok, herzlich willkommen in Bonn. Ich bin bereits sehr gespannt auf Ihre Präsentation, in der Sie mit ihren fotografischen Arbeiten ganz zentrale, uns alle betreffende Fragen stellen: Wer macht all die Bilder, denen wir uns Tag für Tag gegenüber sehen? Wer benutzt diese und zu welchem Zwecke? Wie wandelt sich die Perspektive auf ein Bild, je nachdem wie, wo und in welchem Kontext es präsentiert wird?
Dies sind grundsätzliche Fragen, die wir uns womöglich alle hin und wieder stellen sollten, Fragen nach unserem Umgang mit Bildern, ihrer Herkunft und ihren gesellschaftlichen und politischen Funktionen.

Die meisten von Ihnen werden das kennen: Sie geben eine Suchanfrage in eine Internet-Suchmaschine ein und erhalten eine unüberschaubare Vielzahl von teilweise einander grundsätzlich widersprechenden Ergebnissen. Wenn Sie noch die Bildersuche hinzuziehen, dann sehen Sie sich einer Bilderflut ausgesetzt, von denen nur ein kleiner Teil überhaupt etwas mit Ihrer Suchanfrage zu tun zu haben scheint. Als normale „User“ versuchen wir dann meist, uns einen Weg durch dieses Dickicht an Bildern und Informationen zu bahnen, um zu der Information zu gelangen, die wir eigentlich gesucht haben.
Die Künstlerin Viktoria Binschtok nimmt die überwältigende Bilderflut als Herausforderung an und macht sie zu ihrem Material. Sie begibt sich gleichsam in den Dialog mit den Algorithmen der Suchmaschinen, sammelt Bilder, wählt aus, entwickelt und schafft neue und fügt diese bildhaften Ergebnisse ihrer künstlerischen Forschungen zu ganz eigenen, für mich oft überraschenden Kombinationen zusammen. Da trifft dann der Popstar Gwen Stefani auf ein Marilyn Monroe-Double; eine Flasche, eine zerbeulte Autotür und eine Glühbirne scheinen erst mal nichts gemeinsam zu haben, bilden aber ein prächtiges schwarzgrünes Triptychon, und die New Yorker Skyline wird – fast unbemerkt – ergänzt durch Stapel von Heftklammern.
Dass Viktoria Binschtok hier im Bonner Kunstmuseum ihre klugen und rätselhaften Arbeiten zeigen kann, verdankt die Künstlerin nicht zuletzt der Hilfe und Unterstützung durch die in Bonn ansässige Stiftung Kunstfonds. Die Stiftung vergibt jährlich Stipendien in Höhe eines mittleren sechsstelligen Betrags. Diese außergewöhnliche Förderleistung dokumentiert im Kunstmuseum Bonn seit dem letzten Jahr die auf fünf Jahre angelegte Ausstellungsreihe „Ausgezeichnet“, in der ausgewählte Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung Kunstfonds für einen sechswöchigen Zeitraum einen Ausstellungraum in der Sammlung des Kunstmuseums bespielen. Nach der Ausstellung von Wermke/Leinkauf 2016 ist Viktoria Binschtoks Beitrag die zweite Ausgabe dieser Ausstellungsreihe. Als Bürgermeisterin freue ich mich über diese Kooperation, die zwei in Bonn beheimatete Institutionen zusammenführt. Ich wünsche dem Projekt heute und in Zukunft viel Erfolg.

Verleihung Berufswahlsiegel 2017

Diese Auszeichnung „Berufswahlsiegel“ ist mir wichtig, weil es sich bei der Studien- und Berufswahl junger Menschen um ein wesentliches Lebensthema handelt und weil sich hier beispielhaft zeigt, wie fruchtbar eine gute nachbarschaftliche Kooperation und Arbeitsteilung in der Region sein kann, die auf den Schultern vielfältiger Partner ruht. Es ist schön zu sehen, dass unsere Netzwerkpartner, die Kammern, Verbände und die Arbeitsagentur, aber vor allem die Schülerinnen und Schüler selbst sich bei der Suche nach „ihren“ Bildungsorten wie Schulen, Ausbildungsplätzen, Berufskollegs und Hochschulen nicht an kommunalen Grenzen orientieren. So ist es nur konsequent, die Aufgabe Studien- und Berufsorientierung regional und nicht lokal zu betrachten.

Die heutige Auszeichnungsfeier möchte ich zum Anlass nehmen, das Berufswahlsiegel im Zusammenhang mit dem gesamten Prozess „Studien- und Berufsorientierung“ zu betrachten. Dabei soll der Blick vor allem auf die langjährige erprobte regionale Zusammenarbeit zwischen dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn gerichtet werden.
Im Thema „Übergang Schule – Beruf“ kooperiert die Stadt Bonn seit 2008 mit dem Rhein-Sieg-Kreis und weiteren bedeutenden Akteuren wie der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, den Handwerkskammern und der Arbeitsagentur. Diese Zusammenarbeit ist inzwischen eine Erfolgs­geschichte in der Region und hat zu einem vertrauensvollen Miteinander geführt, das durch die Arbeit in gemeinsamen Projekten und Gremien über die Jahre gewachsen ist. Auf diese Kooperation können wir stolz sein. Sie hat gute und greifbare Ergebnisse hervorgebracht. Motor und Akteur sind die beiden Regionalen Bildungsbüros in den Schulämtern von Bonn und vom Rhein-Sieg-Kreis. Als Team entwickeln sie gemeinsam Strategien und setzen diese jeweils im eigenen Wirkungsbereich und mit ihren Partnern vor Ort um.

Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland in Deutschland ein verbindliches landesweites System für den reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf aufgebaut. Das Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ist ein wichtiger Teil der Bildungskette. Mit der Potenzialanalyse, einem gemeinsamen Kompetenzcheck der Schülerinnen und Schüler in den 8. Klassen, beginnt dieses System. Weiter geht es mit den Berufsfelderkundungen, bei denen die Schülerinnen und Schüler im zweiten Schulhalbjahr die Gelegenheit erhalten, drei verschiedene Betriebe im Rahmen von Tagespraktika kennenzulernen, um so die Auswahl eines mehrwöchigen Schülerpraktikums vorzubereiten.
Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf profitieren im Hinblick auf die Berufsorientierung von weiteren Angeboten und Maßnahmen, wie zum Beispiel den Praxiskursen und einer intensiven Übergangsbegleitung im Rahmen des Programms zur „Förderung der Ausbildungsreife“.
Seit 2013 nehmen die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis an der Landesinitiative mit ihren Projektbausteinen „KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss“ teil. Die enge Verflechtung und Zusammenarbeit von Stadt und dem umgebenden Kreis im Übergang Schule – Beruf ist beispielhaft und ein Alleinstellungsmerkmal.
Doch welche Rolle spielt das Berufswahlsiegel nun im Zusammenspiel mit dem umfassenden Landesprogramms „Kein Abschluss ohne Anschluss“? Während das Landesprogramm den Schulen Standardelemente aufgibt, die seit dem Schuljahr 2016/17 für alle öffentlichen Schulen verpflichtend sind, orientiert sich das Berufswahlsiegel an dem, was die Bewerber-Schulen darüber hinaus individuell und passgenau für ihr jeweiliges Profil für die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern zur Unterstützung des Studien- und Berufswahlprozesses anbieten. KAoA gibt also vor, WAS gemacht werden muss und das Berufswahlsiegel bestimmt das WIE und zeigt darüber hinaus, welche weiteren Ideen, Angebote und Möglichkeiten es im Bereich der Berufsorientierung gibt. Man könnte also auch von Pflicht und Kür sprechen.

Heute haben wir die angenehme Aufgabe, uns mit den Ergebnissen der Kür zu beschäftigen. Die Diskussion zu den Fragen, wie wir den erfolgreichen Übergang junger Menschen von der Schule in die Ausbildung und später in den Beruf wirkungsvoll unterstützen können, führen wir an vielen Stellen und mit vielen Experten. Das Berufswahlsiegel lenkt unseren Blick jedes Jahr wieder ganz konkret in die Praxis: Juroren aus der Wirtschaft und der Verwaltung gehen in die Schulen. Dort erleben sie hautnah, wie die jeweilige Schule im Umgang mit Berufsorientierung „tickt“, sie sprechen mit Schulleitungen und Lehrerinnen und Lehrern, wie das Thema Berufsorientierung erarbeitet wird und hören, wie Schülerinnen und Schüler das für sich erleben.

Die Gespräche bereichern alle Beteiligten. Sie sind sinnvoll und nötig, um die Realität zu verstehen und dort anzuknüpfen, wenn es um die Weiterentwicklung des Themas geht. Die Jury-Mitglieder wiederum tauschen sich untereinander in der Gesamtjury aus, sie bringen ihre Erfahrungen in das Gremium und in die Projekte zum Übergang Schule – Beruf ein. Zudem sammeln sie selbst neue Erfahrungen, die für sie persönlich sehr gewinnbringend sein können. Wir können hier von einer „Qualitätsspirale“ sprechen und das ist es, was einen Prozess erfolgreich werden lässt. Ein sehr angenehmer und nützlicher Effekt dieser langen gemeinsamen Arbeit ist das solide Netzwerk, aus dem heraus dann beispielsweise unkompliziert und auf kurzen Wegen die Besetzung der Jury für das Berufswahlsiegel gebildet werden kann. In diesem Jahr haben 20 Jurorinnen und Juroren in den Audit-Teams mitgearbeitet. Viele von Ihnen sind heute hier anwesend. Daher nutze ich die Gelegenheit und danke Ihnen für Ihr Engagement und für Ihre Zeit, die Sie eingebracht haben! Mein Dank geht aber auch an das Regionale Bildungsbüro Bonn für die Organisation des Siegel-Prozesses.

Persönlich freue ich mich, dass heute auch die Schule ausgezeichnet wird, an der 2 meiner Kinder das Abitur gemacht haben!

Jahreshauptversammlung 2017 des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz

Ich freue mich sehr, dass der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz seine Jahrestagung 2017 in Bonn ausrichtet.
Bonn ist vielseitig, Bonn ist spannend und Bonn ist lebendig. Unsere Stadt gehört zu den wenigen Großstädten in Deutschland mit nach wie vor wachsender Einwohnerzahl. Die Herrschaft der Römer und der Kurfürsten, die Musik Ludwig van Beethovens, die Kunst August Mackes und die Bundespolitik seit Konrad Adenauer haben unsere Stadt geprägt.
Heute sind wir eine internationale Stadt, in der rund 320.000 Menschen aus 180 Nationen friedlich zusammen leben. Neben den rund 20 UNO-Organisationen haben auch mehr als 150 Nichtregierungsorganisationen ihren Sitz in Bonn. Unsere Stadt kann auf eine mehr als 2000jährige Geschichte zurückblicken, meine Damen und Herren, damit gibt es auch für die kommunale Denkmalpflege einiges zu tun. Der Denkmalbestand in Bonn beträgt zirka 4150 – inklusive der Bodendenkmäler. Bonn ist damit nach Köln mit zirka 9000 die Stadt in NRW, die den größten Denkmälerbestand aufweist.

So befindet sich beispielsweise auch das Collegium Albertinum im Bereich eines Bodendenkmals. Die „Römische Siedlung“ Bonn, Teilbereich Hofgarten /Stadtgarten aus dem ersten Jahrhundert nach Christi liegt uns gewissermaßen zu Füßen.
Grabungen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege im Jahr 1988/89 ergaben römische Siedlungsfunde im Innenhof des Collegium Albertinum/ und im Bereich des Hotels Königshof.
Sie haben mit dem Collegium Albertinum also einen Ort gewählt, der passender nicht sein könnte. Das Albertinum ist eines der wenigen Gebäude in Deutschland, das aufgrund der stark angestiegenen Zahlen der Theologiestudenten an der Bonner Universität Ende des 19. Jahrhunderts als Theologenkonvikt neu erbaut wurde.

Lieber Herr Prof. Wilhelm, Sie haben in Ihrer Rede das vielfältige Engagement des Landschaftsverbands Rheinland betont, der dem Rheinischen Verein eng verbunden ist.  Auch die Stadt Bonn weiß das Engagement des Landschaftsverband sehr zu schätzen. Wir sind nicht zuletzt Standort einer LVR-Klinik, die überregionale Bedeutung hat. Und zudem eine baukünstlerische Sehenswürdigkeit darstellt. Das Bauprogramm der Landeskliniken im 19. Jahrhundert hat damals modernste medizinische, psychologische und städtebauliche Aspekte berücksichtigt. 
Kliniken, in denen Menschen gesund werden konnten und respektvoll behandelt wurden. Verzeihen Sie mir, wenn ich das gesondert hervorhebe, aber ich lebe dort – in einem Teil der Kliniken, die zu Wohnungen umgewandelt wurden. Ich weiß aus erster hand, dass dort auch heute noch Lebensqualität zu finden ist.

Die vielen Baudenkmäler in Bonn, die am Tag des offenen Denkmals immer auch beliebte Besuchsziele sind, sind häufig nur erhalten, weil dem Denkmalschutz verpflichtete Vereine und Bürgerinnen und Bürger sich dafür einsetzen. Sie widmen sich mit viel Idealismus dem Erhalt historischer Bauwerke. Dies tut vor allem aber auch der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.
Der große Bürgerverein in der ehemaligen Rheinprovinz setzt sich für Ehrenamt in Denkmal- und Landschaftsschutzfragen ein und kann dabei selbst auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurückblicken.

Denkmalschutz und Denkmalpflege sind ambivalente Themen, die Bauherren manchmal als lästig empfinden. Auch bei der Stadtplanung und der Weiterentwicklung städtischer Viertel gibt es hier manchmal Interessenkollisionen. Das ist in Bonn in der Vergangenheit oft auch sehr öffentlichkeitswirksam diskutiert worden, denn wir sind eine Stadt des Wandels.
Nach der Entscheidung, Parlament und Teile der Regierung nach Berlin zu verlagern hat die Stadt einen einzigartigen Strukturwandel gemeistert, der gerade auch im ehemaligen Regierungsviertel besonders wahrnehmbar wird. Der ehemalige Plenarsaal des Deutschen Bundestages ist heute Teil des World Conference Center Bonns in dem im Herbst der 23. Weltklimagipfel der Vereinten Nationen stattfindet. Über 20.000 Delegierte und Konferenzteilnehmer aus aller Welt werden hierzu in Bonn erwartet.

Viele unserer Denkmäler stehen im Rampenlicht, manche blühen auch nur im Verborgenen. Sie alle aber prägen unsere Stadt, denn was wäre Bonn ohne seine besondere Vergangenheit, was ohne deren sichtbare Zeugnisse? Es steht außer Frage, dass gerade deshalb Denkmalpflege und Denkmalschutz zu den ganz wichtigen Aufgaben für Verwaltung und Bürgerschaft gehören. Der RVDL stellt sich dieser Herausforderung mit dem starken Engagement seiner Mitglieder.

Die Stadt Bonn weiß das Engagement des Rheinischen Vereins sehr zu schätzen. Der Verein ist eine feste Größe in der baukulturellen und kulturlandschaftlichen Szene dieser Stadt und ihres Umfeldes. Ich erinnere dafür nur an das kontinuierliche Engagement für das Siebengebirge, in der Diskussion um den Ennertaufstieg und manches mehr.

Mit seinen Angeboten bringt der Rheinische Verein die Kulturdenkmale zum Sprechen. Es braucht solche Ermöglicher und Erklärer wie Sie! Die Stadt Bonn braucht Vereine und die in ihnen zusammengeschlossene Expertise, das Engagement und das Herzblut.
Sie, liebe Damen und Herren, machen Politik und Verwaltung auf Missstände aufmerksam, geben Anregungen, engagieren sich in Gremien wie unserem Unterausschuss Denkmalschutz. Ja und Sie loben uns auch manchmal, was natürlich gut tut.

Ich lobe Sie nun aber auch umgekehrt Sie an einem konkreten Beispiel:

Zuletzt waren Sie 2002 mit Ihrer Jahrestagung in Bonn. Damals in der Beethovenhalle. Wenige Jahre später, 2009 geriet unsere 1959 eingeweihte Stadt- und Konzerthalle in die Diskussion. Ausgerechnet im Jahr des 50. Geburtstags mehrten sich die Stimmen, die einen Abriss zugunsten eines Festspielhausneubaus vorsahen. Das Thema hat die Stadt gespalten.
Ihnen als Rheinischem Verein kommt das Verdienst zu, der erste Unterstützer einer Gruppe von Studierenden gewesen zu sein, die sich 2009 am Kunsthistorischen Institut gebildet hat und unter dem Namen Initiative Beethovenhalle Führungen, eine Ausstellung, ein Kolloquium und eine Publikation zum Bau bewerkstellig hat. Das hat dem öffentlichen Diskurs enorm gut getan. Wir haben dadurch gelernt, worüber wir eigentlich reden. Es war sehr klug, lieber Herr Eckoldt, dass der Bonner Regionalverband damals diese Unterstützung gewährt hat. Eines der Mitglieder der damaligen Initiative ist heute übrigens Ihr Geschäftsführer.

Dass die Mitgliedervsammlung 2017 also nicht in der Beethovenhalle stattfindet, liegt auch daran, dass Sie, lieber Rheinischer Verein, den richtigen Riecher hatten. Unsere Beethovenhalle steht noch! Freuen wir uns auf eine renovierte, in den alten Glanz zurückversetzte und behutsam modernisierte Beethovenhalle. Vielleicht ja auch für eine zukünftige Mitgliederversammlung!

Kulturzentrum Hardtberg

nach einjähriger Renovierungsphase bedankt sich der Verein Hardtberg Kultur e.V. mit dem heutigen Empfang bei der Stadt Bonn für die umfangreichen Sanierungsarbeiten hier im Kulturzentrum. Eine nette Geste, die zugleich Auftakt für das Jubiläumsjahr 2017 ist, in dem der Verein auf zehn Jahre Hardtberg Kultur zurückblicken kann. Als Bürgermeisterin freut es mich, die Grüße und die Glückwünsche der Stadt Bonn zu diesem Jubiläum überbringen zu dürfen.

Zehn Jahre Hardtberg Kultur e.V., das sind zehn Jahre Engagement von Bürgerinnen und Bürger für ein lebendiges Kultur- und Begegnungszentrum hier im Stadtbezirk. Musik, Lesungen, bildende Kunst, Brauchtumspflege, dies alles füllt diesen Ort mit Leben und alle, die sich dafür einsetzen, tragen zugleich auch zu einem lebendigen Stadtbezirk, zu einem qualitativ hochwertigem Kulturangebot vor Ort und zur Gelegenheit bei, dass sich Bürgerinnen und Bürger aus Hardtberg und Umgebung hier begegnen können. Dafür möchte ich an dieser Stelle dem Verein und seinen Freunden und Förderern ganz herzlich und besonders anerkennend danken. Das Kulturzentrum ist ein Treffpunkt durch alle fünf Jahreszeiten, denn auch die Eröffnung der Karnevalssession findet hier statt.

Das Kulturzentrum ist kein protziger Kulturtempel, sondern ein gemütliches und familiäres Domizil mit einem ganz besonderen Charme. Viele ältere Duisdorfer Bürgerinnen und Bürger kennen die im Jahr 1900 errichtete Örtlichkeit noch als „Saal Schnitzler“, und nicht wenige haben dort bei den Tanzveranstaltungen den Partner oder die Partnerin fürs Leben kennengelernt.
Nachdem der Saal jahrelang als Lager genutzt wurde, zog 1983 die Volkshochschule Bonn hier ein. Der Verein Hardtberg Kultur hat die Volkshochschule abgelöst und das Haus, das die Stadt aus Sparzwängen heraus schließen wollte, damals übernommen. Es ist der Hartnäckigkeit und dem Engagement von Petra Thorand, Johannes Tessmer, Dr. Solveig Palm und anderen zu verdanken, dass dass Kulturzentrum nicht geschlssen, sondern ein attraktives Kulturangebot in Hardtberg aufgebaut wurde und u.a. die legendären Gitarrenkonzerte wieder belebt werden konnten. Dafür gehört der Bezirksbürgermeisterin Thorand ein besonderer Dank!

Rund 150 Vereinsmitglieder betreiben das Kulturzentrum heute in ehrenamtlicher Arbeit und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Bonn.

Für Veranstaltungen am Wochenende packen viele ehrenamtlich gerne mit an, um den Saal mit Stühlen, Tischen und Sitzreihen zu versehen und zu dekorieren sowie anschließend wieder umzubauen. Bürgerschaftliches Engagement hat hier, wie an vielen anderen Stellen in unserer Stadt dazu beigetragen, dem Stadtbezirk das Kulturzentrum als Ort für Veranstaltungen, als Künstlerzentrum sowie als Bürgerhaus zu erhalten. Im Jubiläumsjahr stellt der Verein dies einmal mehr unter Beweis. Ich wünsche dem Verein Hardtberg Kultur und dem Kulturzentrum Hardtberg weiterhin eine gedeihliche Entwicklung und freue mich mit Ihnen auf ein abwechslungsreiches Jubiläumsjahr, das nun nach den Sanierungsarbeiten ja auch optisch in verbessertem Ambiente beginnen kann.