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Verblüht und Ausgesummt – Mit Strategie gegen das Insektensterben

Was kümmert mich eigentlich eine Wespe? Oder eine Motte? Die kurze Antwort: Viel. Denn gemeinsam mit der Honigbiene, den zahlreichen Wildbienen und den Hummeln, deren wichtige Rolle den Meisten inzwischen klar ist, arbeiten auch Fliegen, Motten, Wespen, Falter und andere Insekten in der größten Ökosystemleistung unseres Planeten – der Bestäubung. Sie ist die Lebensgrundlage des Pflanzenreichs und damit unserer Nahrung und unserer Atemluft.

Wenn die Insekten sterben, stirbt unser Planet. Das klingt recht einfach, und es klingt bedrohlich. Nicht umsonst hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES mit einer Studie zur Bestäubung im Jahr 2014 seine Arbeit in Bonn begonnen. Und nicht umsonst war auch eines der ersten Projekte des Bonner interdisziplinären Forschungsnetzwerks BION, worüber Herr Professor Wägele sicher noch sprechen wird, eine Untersuchung zur Bestäubung.

Doch so groß die Bedrohung, so vielfältig sind auch die Handlungsmöglichkeiten. Im Sinne der Bestäubung und im Sinne der 17 SDG – Ziele, die wir in Bonn und für Bonn gemeinsam umsetzen wollen.

Ganz konkret können wir für Bestäubung und gegen Insektensterben handeln mit Initiativen wie „Bonn blüht und summt“ oder durch Unterstützung von Projekten großer Umweltinitiativen wie dem NABU. Ganz konkret fällt mir dazu das Projekt „PRO PLANET Äpfel” ein, welches mit dem Kooperationspartner REWE stattfindet und durch Erhöhung der Biodiversität im konventionellen Anbau von Kernobst für eine insekten- und vogelfreundliche Flächenbewirtschaftung sorgen will.

Auch unsere Bonner Verwaltung arbeitet intensiv dafür, Lebensräume für Pflanzen und Insekten zu schützen und zu erhalten.
Die Bonner Kommunalpolitik hat der Verwaltung den Auftrag erteilt, an Schulen und Kindergärten Nisthilfen für Insekten aufzustellen. Folgerichtig soll auch die Bepflanzung an und vor den Schulen und städtischen Kindergärten insektenfreundlich ausgerichtet werden. Die städtische, sogenannte Wechselbepflanzung, d.h. die Blumen, die vor Denkmälern und an anderen herausragenden Orten stehen, werden seit letztem Jahr zu einem überwiegenden Anteil so eingekauft, dass es sich um Pflanzen handelt, in denen Insekten Nahrung finden (also Nektar und Pollen).


Es liegt ein großes Potenzial in der Bewirtschaftung der städtischen Grünflächen, darin, diese insektenfreundlich zu gestalten. So wird auch auf Anregung der Politik in der Rheinaue ein alter Sportplatz zu einer Blumenwiese zurück bzw. umgebaut. Aber auch im aktuellen Friedhofskonzept werden Möglichkeiten erarbeitet die Bepflanzung, ob mit Stauden oder Blumensaatmischungen für Insektennahrung bereitzustellen. Auf den Friedhofswegen hat die Politik bereits ein vollständiges Verbot von Herbiziden durchgesetzt. Und auch im Grünflächenkonzept hat auf politschen Beschluss die Verwaltung den Auftrag erhalten, die Biodiversität durch die Bewirtschaftung der Grünflächen zu erhöhen – ob über das Anlegen von Magerrasenflächen oder der Ausweitung der Wiesenflächen.
Die Verantwortung der Städten ist enorm groß für den Insektenschutz. Da man weiß, dass die Biodiversität in Kommunen oftmals größer ist, als in der offenen Landschaft insbesondere in den Bereichen, in der intensive Landwirtschaft betrieben wird, nehmen wir unsere Verantwortung gerne an.
Bonn hat große landwirtschaftlichen Flächen, wie das Messdorfer Feld. Sehr gerne würden wir perspektivisch die Landwirtschaft auf eine ökologische Bewirtschaftung umstellen. Auch der politsche Antrag, dass Bonn prüft Biostadt zu werden, beinhaltet durch den Anbau und die Verwendung von biologisch erzeugtem Gemüse einen Schutz der Insekten. In der biologischen Landwirtschat sind Insektizide und Herbizide verboten.

Projekte und Kooperationen in Nordrhein-Westfalen, Programme des Bundes und immer häufiger auch ein verbesserter kommunaler bis europäischer Rechtsrahmen unterstützen dieses Ziel ebenso. Denn es gilt: in der Philosophie der nachhaltigen Entwicklungsziele arbeitet keine Ebene isoliert, denn nur alle zusammen können das Ziel erreichen!

Der heutige Abend ist eine von über 20 spannenden Aktionen und Veranstaltungen der Bonner SDG-Tage. Alle diese Veranstaltungen laden zur Auseinandersetzung mit den Zielen ein, zur Bestandsaufnahme und vor allem dazu, selbst aktiv zu werden. In diesem Jahre führen wir die Bonner SDG-Tage zum ersten Mal durch. Und wir hoffen, dass sie als Initialzündung für neues Engagement wirken werden. Seien Sie herzlich eingeladen zu allen Veranstaltungen dieser neuen Reihe. Und seien Sie dazu eingeladen, selbst Ideen zu entwickeln und umzusetzen! Lassen Sie uns gemeinsam dafür engagieren, dass Nachhaltigkeit in Bonn und in der Welt gelingt. Und lassen Sie uns die Zukunft bauen, die wir wollen …und vielleicht feiert bei Ihnen ja bereits in den kommenden Tagen ein Insektenhotel Richtfest?

Kommunale Beschlüsse zur Biodiversität: