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Frauen in der Roten Armee: Ausstellung im Frauenmuseum Bonn

Ich freue mich sehr, dass ich am Ostersonntag im Frauenmuseum Bonn anlässlich der Ausstellungseröffnung „Rotarmistinnen“ sprechen durfte. Ich komme ja immer gerne in das Frauenmuseum, denn es ist für die Stadt Bonn und auch aus Grüner Sicht eine wichtige Einrichtung, die sich immer wieder auch mit schwer handhabbaren Themen rund um die Frau auseinandersetzt. An diesem Ostersonntag wurde gleich durch drei Ausstellungseröffnungen auf das klassische Osterthema Frieden eingegangen – auch in dem mit der Ausstellung „Die Rotarmistinnen – Mascha, Nina und Katjuscha“ das Komplement zum Frieden, der Krieg, mit im Thema war.

Ganz spontan hatte ich zum Thema „Frauen in der Roten Armee“ viele Gedanken im Kopf. Im Vordergrund steht dabei für mich die Rolle der Frau, der Wandel des Rollenbildes im Laufe der Zeit und insbesondere in schwierigen Zeiten. Die Ausstellung „Rotarmistinnen“ macht deutlich, dass es im 2. Weltkrieg kämpfende Frauen in der Roten Armee gab, sie verweist darauf, wie die Russen und die Deutschen damit umgingen und wie das Leben dieser Frauen im und nach dem Krieg aussah.

Lange war es ein Tabuthema: es gibt und gab Frauen an der Waffe.
Man findet in der Militärgeschichte etliche Beispiele für Frauen, die in verschiedenen Aufgaben in den Streitkräften ihrer Länder kämpften. In vielen Fällen war dies jedoch nur dadurch möglich, dass sie sich als Mann verkleideten. In früheren Epochen haben die meisten Staaten und Kulturen Frauen den Zugang zum Militär aus unterschiedlichen Gründen stark beschränkt oder ganz verboten. Ab dem 1. Weltkrieg ist in Europa ein stärkeres Engagement von Frauen im Krieg festzustellen. Wobei wir begrifflich unterscheiden müssen zwischen „Frauen im Militär“ und „Frauen an der Waffe“. Denn Frauen im Militär mit logistischen oder humanitären Aufgaben gibt es seit langer Zeit. Dies ist gesellschaftlich akzeptiert. Aber darf eine Frau auch kämpfen? Diese Frage wurde in Russland und Deutschland des letzten Jahrhunderts unterschiedlich beantwortet. Und sie wurde innerhalb einer Nation zu unterschiedlichen Zeiten anders beantwortet.

Dazu zwei Zitate :

“Ich würde mich schämen, ein deutscher Mann zu sein, wenn jemals im Falle eines Krieges auch nur eine Frau an die Front müsste!
Adolf Hitler, 1935

“Ob Mädchen oder Frauen, ist ganz wurscht: Eingesetzt muss alles werden.”
Adolf Hitler, 1945

Das bedeutet: nur wenn Not am Mann ist, dürfen auch Frauen ran! Ist die Not beendet, müssen sie gehen. (Dies war übrigens auch im Bergbau der Fall, wo in Deutschland bis 2008 ein Internationales Abkommen galt, welches Frauen von der schweren, aber gutbezahlten Arbeit unter Tage ausschloss. In der männerarmen Kriegs- und Nachkriegszeit hat dies niemanden gekümmert, denn die Frauen im Ruhrgebiet haben in den Bergwerken die dringend benötigte Kohlenförderung aufrecht erhalten.)
„Militär ist Männersache“ war und ist weitgehend auch heute eine weitverbreitete Meinung. Der Ausschluss von Frauen beim Dienst an der Waffe dient vorgeblich ihrem eigenen Schutz vor zu schwerer, nicht geschlechtergerechter Tätigkeit, Aber ist das richtig? Auch heute eine durchaus aktuelle Frage.

Wenn das Rollenbild der Frau reduziert wird auf die sanften Aspekte der Weiblichkeit, dürfen Frauen im Krieg nur als Galionsfiguren vorkommen – oder als Abstraktion. Katjuscha hieß übrigens im ersten Weltkrieg eine Waffe zum Raketenabwurf. Ansonsten waren die Frauen im Krieg nur als Sanitäterinnen, als „Engel der Barmherzigkeit“, gern gesehen. Die kämpfenden Frauen der Roten Armee wurden dagegen im Westen als “Nachthexen” und “Flintenweiber” stigmatisiert.

Die Gesellschaftliche Akzeptanz von Soldatinnen war und ist umstritten. Nach der Gründung der Bundeswehr waren Frauen zunächst von sämtlichen militärischen Aufgaben ausgeschlossen. Eine durchgreifende Änderung dieser Situation trat erst im neuen Jahrtausend ein, als durch den europäischen Gerichtshof festgestellt wurde, dass dies gegen den gemeinschaftsrechtlichen Grundsatz der Gleichheit von Männern und Frauen verstieß. Seit 2001 sind Frauen in der Bundeswehr zugelassen. Dabei geht es mir aus politischer Sicht prinzipiell um die Themen Gleichstellung und Wehrpflicht. Aus Grüner Sicht sollen Frauen alle Berufswege offen stehen, auch in der Bundeswehr. Berufsverbote aufgrund des Geschlechts sind diskriminierend. Die Auffassung dessen, was weiblich ist, muss dabei auf den Prüfstand. Es gibt Frauen, die ihr Land mit der Waffe verteidigen wollen – dann dürfen sie es auch. Aber der Dienst an der Waffe muss freiwillig bleiben. Die Abschaffung der Wehrpflicht ist daher eine logische Konsequenz. Wenn eine Frau sich für den militärischen Berufsweg entscheidet, dann ist sie kein Lückenbüßer. Es müssen ihr alle Optionen offen stehen, d.h. auch Führungspositionen in der Bundeswehr müssen verstärkt durch Frauen besetzt werden. Dafür soll die Vereinbarkeit von Familie und Dienst gefördert werden – das hilft übrigens auch den Männern.

Ist Europa denn nun eine Region der “Flintenweiber”? Wieviele Frauen entscheiden sich freiwillig für den Militärdienst? In Deutschland beträgt der Frauenanteil in der Truppe aktuell 9,7%. In den Niederlanden 9%, in Spanien 12% und in Frankreich 15,5%. In Israel dagegen, wo es auch eine Wehrpflicht für Frauen gibt, sind es derzeit 33%. Und nur die Schweizergarde des Vatikans hat garantiert 0% Frauen!