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20 Jahre Bonner Barbershop-Chor „Barberellas“

Nachdem 40 starke Frauen auf der Bühne so stimmgewaltig das „Happy Birthday“ gesungen haben, schließe ich mich als Bürgermeisterin gerne an. Ich gratuliere den Barberellas im Namen der Stadt Bonn sehr herzlich zum 20-jährigen Bestehen und ich wünsche weiterhin viel Freude an und mit der Musik. Ich wünsche der Chorgemeinschaft eine harmonische Entwicklung und gutes Gelingen für anstehende neue Projekte.

Das Kulturleben der Stadt Bonn wird von Musik in all Ihren Ausprägungen und Stilrichtungen geprägt. Barbershop – diese Musikrichtung ist in Deutschland noch nicht allzu lange vertreten. Im Mutterland des Barbershop, in den USA, haben Frauen erst vor knapp siebzig Jahren diese Männerdomäne erobert. In Bonn sind die Barberellas der erste Bonner Barbershop-Chor und damit auch ein Stück musikalische Emanzipation. Soviel Frauenpower steht einer Stadt gut!

Ich wünsche dem Chor und den Sängerinnen weiterhin viel Erfolg auf dem Weg zum 25-jährigen Bestehen, das ich im Jahr 2020 ja durchaus noch als Bürgermeisterin mitfeiern kann! Happy Birthday, Barberellas und vielen Dank!

15jahriges Bestehen des Internationalen Frauenzentrums Bonn

imageIch freue mich über die Einladung und die Gelegenheit, heute erfolgreiche 15 Jahre Internationales Frauenzentrum in Bonn zu feiern.
Letzten Mittwoch durfte ich den Preis von UN-Women und der Stiftung Apfelbaum an das „Women’s Information, Communication and Technology Centre“, ein Frauenbildungsprojekt in Afghanistan, mit verleihen. dabei hatte ich Gedanken an die junge Malala, die unendlich viele Türen für Mädchenbildung öffnete und dafür den Friedensnobelpreis erhielt.
Auch heute habe ich Gedanken an die globale Situation von Frauen. Vor rund 20 Jahren wurde die Pekinger Aktionsplattform verabschiedet. Die vierte Frauenkonferenz der Vereinten Nationen im Jahr 1995 war eine Folgemaßnahme zu den bereits zuvor von der internationalen Gemeinschaft unternommenen Anstrengungen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Rechte von Frauen. Es wurden zwölf Hauptproblembereiche genannt, in denen spezifische Maßnahmen erforderlich sind:

  1. Frauen und Armut
  2. Bildung und Ausbildung von Frauen
  3. Frauen und Gesundheit
  4. Gewalt gegen Frauen
  5. Frauen und bewaffnete Konflikte
  6. die Frau in der Wirtschaft
  7. Frauen in Macht- und Entscheidungspositionen
  8. institutionelle Mechanismen zur Förderung der Frau
  9. Menschenrechte der Frauen
  10. Frauen und die Medien
  11. Frauen und Umwelt
  12. Mädchen

Ihre Forderungen sind – leider, leider, leider – immer noch brandaktuell! Nicht nur, was den Zugang von Frauen zu Bildung anbelangt – auch wenn dies ein besonders brennender Punkt ist.

Nach wie vor sind Frauen das ärmere Geschlecht, das ungebildetere, das gesundheitlich gefährdetere (nicht nur durch Geburten, sondern auch z.B. durch Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung und durch die Verweigerung sexueller Selbstbestimmung). Frauen sind von Gewalt stärker bedroht als Männer. Sexualisierte Gewalt wird
als Waffe gegen sie eingesetzt. Ihre Menschenrechte werden in vielen Zusammenhängen verletzt. Frauen sind das Geschlecht, das fliehen muss. 80 % der Flüchtlinge und Vertriebenen sind Frauen und Kinder. Frauen sind das wirtschaftlich unterlegene Geschlecht und werden weniger an Entscheidungen beteiligt. Mädchen und Frauen sind global gesehen öfter Opfer von Diskriminierung – vom Erbrecht bis zur Teilhabe.

Um die Defizite zu überwinden braucht gute Mechanismen, vor allem eine andere Art der Kommunikation. Wir müssen die Stärken von Frauen in die Prozesse einbringen, zum Beispiel auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Und Frauen haben Stärken!
Frauen brauchen dafür eine Ermunterung oder „Ermächtigung“ … das englische Wort „Empowerment“ ist viel schöner. Das klingt schon nach Frauenpower!

Und „Frauenpower“ auf bönnsch war es auch, die 1999 aufeinandertraf! Ea gab damals Runde Tische zur Lokalen Agenda, dabei ein Tisch „Internationales“, an dem sich viele Organisationen, aber auch der Ausländerbeirat beteiligten. Kurz gesagt ist das IFZ ein ganz konkretes Ergebnis dieses Prozesses!
Etliche Frauen der 1. Stunde sind heute hier und immer noch engagiert: Die Gründungsvorsitzende Constanza Paetau, Eleanor Koch, Alphonsine Kayanamura und Gabriele Albert-Trappe. Und bereits an dieser Stelle möchte ich Lob für Geleistetes und ein Dankeschön an diese 1. Generation und die vielen engagierten Frauen der letzten 15 Jahre aussprechen! Ich denke hier z.B. an die ehemalige Vorsitzende Anne-Marie-Laurent, die nach wie vor im IFZ berät.
Und natürlich ein ganz großer Dank an Noushin Shojaei und ihr jetziges Team aus Frauen in Ehrenamt und Hauptamt!

Sie sehen: das IFZ ist Frauenpower pur. das internationale Frauenzentrum ist aus dem EINE-WELT-Gedanken entstanden und für die Eine Welt aktiv!
Bonn ist eine Stadt, in der Menschen aus über 170 Nationen friedlich zusammenleben. Und jedes Jahr kommen mehr hinzu. Widmen wir uns der aktuellen Flüchtlingswelle. Wenn – siehe Peking – 80 Prozent der Flüchtlinge und Vertriebenen Frauen und Kinder sind, dann ist das eine große Aufgabe. „Unsere“ Flüchtlinge haben unterschiedliche Kulturen und Hintergründe, sehr unterschiedliche und zum Teil dramatische Geschichten. Denken Sie an den Kampf des Ankommens in Bonn: Sprache, Kultur, wirtschaftliche Zwänge, fremde Umgebung, eventuell Diskriminierung, Behördendschungel etc., Sorge um Familien, Ängste, Traumata. Einiges davon kann durch die sozialen Angebote der Stadt Bonn geleistet werden, z.B. Integrationslotsen, die beim Alltag helfen können. Anderes bedarf schlicht eines einfühlsamen Klimas.
Das Schaffen dieses Klimas gelingt mit der Hilfe von NROs wie das IFZ. Es ist ein Ort der Begegnung, des Verständnisses, der Gemeinschaft, der Toleranz, der konkreten Beratung und Hilfe. IFZ ist ein Stück Empowerment, es erinnert die Frauen daran, wie stark sie eigentlich sind und macht ihnen Mut. Vor allem: Netzwerke machen Mut, Gemeinschaft im Vielfältigen macht Mut. Man muss an den eigenen Erfolg glauben! Anderen Hoffnung machen. Begegnung rund um den Globus – und natürlich auch mit Bonnerinnen. Zusammenhalten, Zusammenwachsen. Für all das steht das IFZ.

IFZ Frauen bauen sich in Bonn eine Existenz auf, haben an gesellschaftlichen und politischen Prozessen teil und machen sich stark für Projekte in ihren Heimatländern. Das ist Frauenpower konkret: Frauen finden Arbeitsplätze oder gründen eine Existenz, wie Alphonsine, die inzwischen einen sehr bekannten Cateringservice in Bonn führt.
Weitere Frauenpower konkret: eine IFZ-Frau aus dem asiatischen Raum regte ein Projekt an, das jetzt vom Marie-Schlei-Verein durchgeführt wird.

Das IFZ schafft Bewusstsein und schlägt Brücken. Dies ist eine wichtige Bildungsaufgabe und ein Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit. Es gab etliche öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen (z.B. Frauenmesse 2004 und Beteiligung am Tag der Vereinten Nationen). Das IFZ thematisiert immer wieder die Situation von Migrantinnen in Bonn, arbeitet konstruktiv an Teilhabeprozessen mit und lädt ein zu Information und Auseinandersetzung ein. Damit ist IFZ nicht nur eine Anlaufstelle und ein Ort der Begegnung und Teilhabe, sondern auch ein wichtiger Ort politischer Bildung!

Diese Qualitäten sind wichtig für eine internationale Stadt wie Bonn. Und sie sind unverzichtbar. Deshalb unterstützt die Stadt Bonn das IFZ nach besten Kräften.
Ich habe mich sehr gefreut, dass ich heute diejenige sein durfte, die die Arbeit des Internationalen Frauenzentrums würdigen durfte. Zum einen, weil ich eine Frau bin. Zum anderen, weil ich die Qualität und Sinnhaftigkeit dieser Arbeit immer wieder erfahren durfte in den letzten 15 Jahren.
Meinen Dank habe ich an den Anfang gestellt. Und deshalb möchte ich schließen mit einem Wunsch. Zum fünfjährigen Jubiläum nannte man das IFZ in einem Presseartikel ein „Kraft- und Energiezentrum“. Das ist es noch heute und das soll es bleiben!

Eröffnungsfeier der Bonner SOLWODI-Geschäftsstelle im Frauenmuseum Bonn

Nachdem SOLWODI ja bereits im Sommer 2013 mit ersten Schritten in Bonn gestartet ist, hoffe ich, dass diese Nichtregierungsorganisation nun gut in Bonn angekommen ist und hier geeignete Bedingungen für ihre wichtige Arbeit findet. Die Eröffnungsfeier heute ist dabei ein schönes deutlich sichtbares Zeichen für Ihre Präsenz in Bonn.

Das Engagement von Solwodi, mit dem sie sich für die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution einsetzen, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. SOLWODI widmet sich damit einem Thema, vor dem viele Menschen lieber die Augen verschließen.

1985 wurde Solwodi in Kenia gegründet. Aus den ersten Projekten in Kenia hat sich mittlerweile ein weltweites Netzwerk von Solwodi-Zentren entwickelt. So ist Solwodi heute in verschiedenen afrikanischen Ländern und in Osteuropa tätig. Letztes Jahr wurde dann die Bundesgeschäftsstelle, die für dieses Auslandsnetzwerk zuständig ist, nach Bonn verlegt. Bei diesem Umzug konnten wir als Stadt Bonn Solwodi finanziell unterstützen, dank uns 2013 zur Verfügung stehender Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung.

Ich freue mich sehr, dass Solwodi nun hier ist. Das zeigt einmal mehr, dass Bonn ein gutes Pflaster für international tätige Organisationen ist. Da sind nicht nur die 18 UN-Sekretariate, die Bundesministerien, Organisationen der internationalen Zusammenarbeit und Wissenschaftseinrichtungen, hier finden sich auch – Solwodi eingeschlossen – mehr als 150 Nichtregierungsorganisationen. Sie sind ein wenig das Salz in der Suppe des internationalen Standorts Bonn. In und mit Nichtregierungsorganisationen findet zivilgesellschaftliche Diskussion statt, hier werden Unterstützungsprojekte initiiert, die nah dran sind an den Menschen, von hier aus werden die gesammelten gesellschaftlichen Erfahrungen wieder in die Politik eingespielt. Solwodi hatte ja schon vor dem Umzug viele Partner in Bonn, und ich denke, dass sich diese Kooperationen noch intensiviert und erweitert haben.

Als Stadt unterstützen wir die international tätigen Organisationen nach Kräften, da wir wissen, welche Bedeutung deren Arbeit für uns als Standort hat. Bei den Organisationen, die in der internationalen Frauen- und Genderarbeit engagiert sind, beobachte ich immer besonders, dass sie sich sehr erfolgreich zu gemeinsamen Projekten zusammen schließen und so schon einige sehr interessante Netzwerkaktivitäten hier zustande gekommen sind. Diese befördern wir gerne, denn ich glaube, es sind die besonderen Vernetzungsqualitäten, die kurzen Wege, die guten

Möglichkeiten, andere Akteure zu treffen, die Bonn ausmachen. Und gerade gestern – gestern war ja wieder der 25.11. und damit jährlicher Aktionstag gegen Gewalt an Frauen – haben wir im Alten Rathaus gemeinsam mit UN Women anlässlich dieses Tages ein afghanisches Frauenbildungsprojekt ausgezeichnet.

Auch in Zukunft wird die Stadt Bonn die weitere Vernetzung der verschiedenen Institutionen, die am Standort Bonn international zu diesem Thema aktiv sind, unterstützen, um gemeinsam noch stärkere weltweite Aufmerksamkeit für Frauen- und Geschlechterthemen zu erreichen.

Auszeichnungsveranstaltung UN-Women Programm für Bildung von Frauen in Afghanistan

gobsall-UNWomenIch freue mich sehr, dass wir heute Gastgeber für die Auszeichnungsveranstaltung von UN Women sein dürfen. Damit beherbergen wir als Stadt Bonn erstmals die jährliche Verleihung des Preises der Stiftung Apfelbaum für ein UN Women Programm bei uns. Wir sind heute im Alten Rathaus der Stadt Bonn zusammen gekommen, um das „Women’s Information, Communication and Technology Centre“, ein Frauenbildungsprojekt in Afghanistan, zu ehren.

Als ich das erste Mal über dieses Projekt las, musste ich an den diesjährigen Friedensnobelpreis denken. Viele von Ihnen haben wahrscheinlich das Bild der 17-jährigen Malala Yousafzai vor Augen. Sie wird als jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Friedensnobel-preises diesen Preis am 10. Dezember in Oslo entgegen nehmen. Malala schrieb seit 2009 einen Blog, in dem sie über die Schwierigkeiten und Hürden beim Schulbesuch in ihrer Heimatregion, dem Swat-Tal in Pakistan, berichtete. 2012 wurde sie auf dem Weg von der Schule nach Hause Opfer eines Talibananschlags. Diese hatten sie zum Ziel ausgesucht, weil sie sich für den Schulbesuch von Mädchen einsetzte. Malala ist damit zu einem Symbol zumindest der westlichen Welt für den Kampf von Mädchen für Bildung geworden. Doch das Engagement für den Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildung findet an vielen Orten der Welt, im Großen und im Kleinen statt.

UN Women 2014Wir vergessen schnell, dass der Zugang zu Bildung für Frauen und Mädchen auch in Deutschland lange Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Wir müssen gar nicht so sehr in die weite Welt blicken. An der Bonner Universität beispielsweise erhielten Frauen erstmals 1908 das Recht, sich zu immatrikulieren. Erst seit wenigen Jahren ist der Anteil der eingeschriebenen Frauen an der Bonner Uni mit 55% höher als der der Männer. Und damit liegen wir in Bonn sogar noch 3% über dem deutschen Bundesdurchschnitt. In Afghanistan liegt der Frauenanteil an Universitäten bei 24,8%.

Der Weg zur Gleichstellung im Bildungsbereich ist ein langer Weg. Ich freue mich daher besonders, dass in Bonn ein starkes Netzwerk von Organisationen beheimatet ist, die sich für dieses Thema hier vor Ort und weltweit einsetzen. Mitstreiter und Mitstreiterinnen findet man hier in Bonn in vielen Kreisen, bei den Vereinten Nationen, bei den Durchführungs-organisationen der deutschen internationalen Zusammenarbeit, bei der Deutschen Welle, bei Nichtregierungsorganisationen und Initiativen sowie in den großen Unternehmen.

UN Women 2014Als Stadt Bonn bieten wir gerne eine Plattform für diese Netzwerke und Aktivitäten. Ziel ist es, die am Standort ansässigen Organisationen dabei zu unterstützen, ihre Kräfte zu bündeln, um weltweite Aufgaben wie den Zugang zu Bildung gemeinsam anzugehen. In der Vergangenheit ist uns dies bereits mehrfach gut gelungen. So sind schon einige sehr interessante Netzwerkaktivitäten hier zustande gekommen. Vor zwei Jahren hatten wir hier im Rathaus ebenfalls eine Veranstaltung am 25.11., dem Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Unter dem Dach des Arbeitskreises ComVoMujer kamen mehr als 10 Organisationen zusammen, um einen großen und sehr beeindruckenden Aktionstag hier zu gestalten. Auch UN Women hat dabei mitgewirkt, und ich sehe einige Gesichter hier im Saal, die an der Gestaltung dieses Tages beteiligt waren. Letztes Jahr wurde aus diesem Kreis heraus eine Videoprojektion im öffentlichen Raum zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen organisiert. Dieses Jahr begannen die Aktionen, um auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen, bereits am vergangenen Wochenende und setzen sich die Woche über mit Diskussionsveranstaltungen und Beratungsangeboten fort.

UN-WomenAuch in Zukunft wird die Stadt Bonn die weitere Vernetzung der verschiedenen Institutionen, die am Standort international zu diesem Thema aktiv sind, unterstützen. Gemeinsam möchten wir noch stärkere weltweite Aufmerksamkeit für Frauen- und Geschlechtergerechtigkeit erreichen. Es ist gut, wenn wir alle uns zusammen tun, damit kein Mädchen mehr erleben muss, was Malala erleiden musste.

Weitere Fotos finden Sie hier

Frauen in der Roten Armee: Ausstellung im Frauenmuseum Bonn

Ich freue mich sehr, dass ich am Ostersonntag im Frauenmuseum Bonn anlässlich der Ausstellungseröffnung „Rotarmistinnen“ sprechen durfte. Ich komme ja immer gerne in das Frauenmuseum, denn es ist für die Stadt Bonn und auch aus Grüner Sicht eine wichtige Einrichtung, die sich immer wieder auch mit schwer handhabbaren Themen rund um die Frau auseinandersetzt. An diesem Ostersonntag wurde gleich durch drei Ausstellungseröffnungen auf das klassische Osterthema Frieden eingegangen – auch in dem mit der Ausstellung „Die Rotarmistinnen – Mascha, Nina und Katjuscha“ das Komplement zum Frieden, der Krieg, mit im Thema war.

Ganz spontan hatte ich zum Thema „Frauen in der Roten Armee“ viele Gedanken im Kopf. Im Vordergrund steht dabei für mich die Rolle der Frau, der Wandel des Rollenbildes im Laufe der Zeit und insbesondere in schwierigen Zeiten. Die Ausstellung „Rotarmistinnen“ macht deutlich, dass es im 2. Weltkrieg kämpfende Frauen in der Roten Armee gab, sie verweist darauf, wie die Russen und die Deutschen damit umgingen und wie das Leben dieser Frauen im und nach dem Krieg aussah.

Lange war es ein Tabuthema: es gibt und gab Frauen an der Waffe.
Man findet in der Militärgeschichte etliche Beispiele für Frauen, die in verschiedenen Aufgaben in den Streitkräften ihrer Länder kämpften. In vielen Fällen war dies jedoch nur dadurch möglich, dass sie sich als Mann verkleideten. In früheren Epochen haben die meisten Staaten und Kulturen Frauen den Zugang zum Militär aus unterschiedlichen Gründen stark beschränkt oder ganz verboten. Ab dem 1. Weltkrieg ist in Europa ein stärkeres Engagement von Frauen im Krieg festzustellen. Wobei wir begrifflich unterscheiden müssen zwischen „Frauen im Militär“ und „Frauen an der Waffe“. Denn Frauen im Militär mit logistischen oder humanitären Aufgaben gibt es seit langer Zeit. Dies ist gesellschaftlich akzeptiert. Aber darf eine Frau auch kämpfen? Diese Frage wurde in Russland und Deutschland des letzten Jahrhunderts unterschiedlich beantwortet. Und sie wurde innerhalb einer Nation zu unterschiedlichen Zeiten anders beantwortet.

Dazu zwei Zitate :

“Ich würde mich schämen, ein deutscher Mann zu sein, wenn jemals im Falle eines Krieges auch nur eine Frau an die Front müsste!
Adolf Hitler, 1935

“Ob Mädchen oder Frauen, ist ganz wurscht: Eingesetzt muss alles werden.”
Adolf Hitler, 1945

Das bedeutet: nur wenn Not am Mann ist, dürfen auch Frauen ran! Ist die Not beendet, müssen sie gehen. (Dies war übrigens auch im Bergbau der Fall, wo in Deutschland bis 2008 ein Internationales Abkommen galt, welches Frauen von der schweren, aber gutbezahlten Arbeit unter Tage ausschloss. In der männerarmen Kriegs- und Nachkriegszeit hat dies niemanden gekümmert, denn die Frauen im Ruhrgebiet haben in den Bergwerken die dringend benötigte Kohlenförderung aufrecht erhalten.)
„Militär ist Männersache“ war und ist weitgehend auch heute eine weitverbreitete Meinung. Der Ausschluss von Frauen beim Dienst an der Waffe dient vorgeblich ihrem eigenen Schutz vor zu schwerer, nicht geschlechtergerechter Tätigkeit, Aber ist das richtig? Auch heute eine durchaus aktuelle Frage.

Wenn das Rollenbild der Frau reduziert wird auf die sanften Aspekte der Weiblichkeit, dürfen Frauen im Krieg nur als Galionsfiguren vorkommen – oder als Abstraktion. Katjuscha hieß übrigens im ersten Weltkrieg eine Waffe zum Raketenabwurf. Ansonsten waren die Frauen im Krieg nur als Sanitäterinnen, als „Engel der Barmherzigkeit“, gern gesehen. Die kämpfenden Frauen der Roten Armee wurden dagegen im Westen als “Nachthexen” und “Flintenweiber” stigmatisiert.

Die Gesellschaftliche Akzeptanz von Soldatinnen war und ist umstritten. Nach der Gründung der Bundeswehr waren Frauen zunächst von sämtlichen militärischen Aufgaben ausgeschlossen. Eine durchgreifende Änderung dieser Situation trat erst im neuen Jahrtausend ein, als durch den europäischen Gerichtshof festgestellt wurde, dass dies gegen den gemeinschaftsrechtlichen Grundsatz der Gleichheit von Männern und Frauen verstieß. Seit 2001 sind Frauen in der Bundeswehr zugelassen. Dabei geht es mir aus politischer Sicht prinzipiell um die Themen Gleichstellung und Wehrpflicht. Aus Grüner Sicht sollen Frauen alle Berufswege offen stehen, auch in der Bundeswehr. Berufsverbote aufgrund des Geschlechts sind diskriminierend. Die Auffassung dessen, was weiblich ist, muss dabei auf den Prüfstand. Es gibt Frauen, die ihr Land mit der Waffe verteidigen wollen – dann dürfen sie es auch. Aber der Dienst an der Waffe muss freiwillig bleiben. Die Abschaffung der Wehrpflicht ist daher eine logische Konsequenz. Wenn eine Frau sich für den militärischen Berufsweg entscheidet, dann ist sie kein Lückenbüßer. Es müssen ihr alle Optionen offen stehen, d.h. auch Führungspositionen in der Bundeswehr müssen verstärkt durch Frauen besetzt werden. Dafür soll die Vereinbarkeit von Familie und Dienst gefördert werden – das hilft übrigens auch den Männern.

Ist Europa denn nun eine Region der “Flintenweiber”? Wieviele Frauen entscheiden sich freiwillig für den Militärdienst? In Deutschland beträgt der Frauenanteil in der Truppe aktuell 9,7%. In den Niederlanden 9%, in Spanien 12% und in Frankreich 15,5%. In Israel dagegen, wo es auch eine Wehrpflicht für Frauen gibt, sind es derzeit 33%. Und nur die Schweizergarde des Vatikans hat garantiert 0% Frauen!