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Der Kampf um das Deutsche Museum Bonn (DMB) geht weiter

Al Chwarizmi, der Begründer des Begriffs Das Deutsche Museum Bonn ist ein wichtiger – vielleicht sogar unverzichtbarer – Bestandteil der Wissenschaftsstadt Bonn. Die Koalition im Rat der Stadt Bonn hat mit der Verabschiedung des Haushaltes im April mehrheitlich das Ende der Finanzierung der Wissenschaftskommunikationsplattform beschlossen. Ich habe, als Wissenschaftspolitikerin und langjährige Unterstützerin des Deutschen Museums Bonn, persönlich den Kürzungsbeschluss nicht mitgetragen und dem Haushalt daher nicht zugestimmt.

„Mehrheit“ ist nicht gleichzusetzen mit „Alle“. Der mehrheitliche Beschluss ist in den Fraktionen kontrovers diskutiert worden. Daher gibt es immer noch Hoffnung für das DMB! Schon jetzt ist mit dem gültigen Beschluss vorgesehen, die Personalstellen weiterzufinanzieren. Zur Diskussion steht an erster Stelle die aktuelle Liegenschaft im Wissenschaftszentrum, die mit ihrer Grösse einen enormen Mietkostenaufwand bedeutet.

Die Bedeutung des DMB geht weit über die Kommune hinaus! Vor allem muss immer wieder klar gestellt werden, dass der Fokus des Hauses nicht die Dauerausstellung als „Museum“ ist! Der Wert des Hauses liegt in der Funktion der Vermittlung von Wissenschaft, als ausserschulischer Bildungsort, als Kommunikationsplattform zwischen wissenschaftlichem „Elfenbeinturm“ und der Gesellschaft. Dies manifestiert sich in themenbezogenen Ausstellungen, in Vorträgen, in Veranstaltungen u.v.m.
Der naturwissenschaftlich-technische Bereich und die sogenannten MINT-Fächer werden durch das DMB gestärkt, wodurch wiederum ein Schwerpunkt Bonns, die IT-Stadt, gefördert wird. Im IT-Bereich fehlt immer noch eine angemessene Beteiligung von Frauen und Mädchen, da diese in den herkömmlichen Bildungsgängen meist nicht in der richtigen Weise angesprochen werden. Diese Lücke wird teilweise vom DMB geschlossen.

Während das Deutsche Museum München aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wird, wird ein Haus dieser ausserordentlich Bedeutung und Strahlkraft in Bonn ausschliesslich durch den Kommunalhaushalt getragen. Ahnliche Häuser an anderen Orten haben mehrere Träger! Daher begrüsse ich den Vorstoss der regionalen Wirtschaft, ausgesprochen durch die IHK Bonn/Rhein-Sieg, ausserordentlich! Ein Förderverein der Industrie für das DMB ist ein Schritt in die richtige Richtung! Wenn es es ernsthafte Vorschläge zur Mitfinanzierung des deutschen Museum Bonn gibt, werden sich die Grünen im Rat der Stadt Bonn einer Weiterführung der Wissenschaftskommunikationsplattform nicht verweigern.

Bonn-Aachen International Center for Information Technology (b-it): Emeritierung Prof. Dr. Cremers

„Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich.“ Diese Erfahrung ist schon recht alt und wurde oftmals wiederholt, der zitierte Satz stammt aus einem Brief von Schiller an Goethe.

Armin. B. Cremers 1977 am Lehrstuhl Informatik 6 der Universität Dortmund

Armin. B. Cremers 1977 am Lehrstuhl Informatik 6 der Universität Dortmund

In der Tat ist der Wechsel an der Spitze einer Institution immer ein Ereignis. Wenn derjenige, der von der Arbeit Abschied nimmt, um im Schillerschen Sprachgebrauch zu bleiben, zugleich auch der Gründungsdirektor ist, dann ist das Ereignis des Ausscheidens ein ganz besonderes. Herr Professor Cremers war maßgeblich für die Konzipierung der Idee von b-it, für die Gründung, die Umsetzung und die weitere Entwicklung verantwortlich.

Heute erscheint es „normal“, dass verschiedene Hochschulen – Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen – gemeinsam ein Thema bearbeiten und in diesem Bereich lehren – zu Gründungszeiten des b-it war dies nicht selbstverständlich. Als Gründungsdirektor hat Prof. Dr. Cremers für die Universität Bonn gemeinsam mit seinen Kollegen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der RWTH Aachen und des Fraunhofer-Institutszentrums Birlinghoven die Zusammenarbeit ermöglicht. Die Gründung im Jahr 2002 war Dank des Landes Nordrhein-Westfalen sowohl hinsichtlich der finanziellen und räumlichen Ausgestaltung als auch der konzeptionellen Begleitung, der Förderung als Projekt des Bonn-Berlin-Ausgleichs und dem Einsatz der das b-it mittragenden Hochschulen und Forschungseinrichtungen möglich. Dem Land gilt daher auch ein besonderer Dank für die permanente Unterstützung von b-it seit der Stiftungsgründung.

Apropos Bonn-Berlin-Ausgleich: ca 2/3 der Ausgleichsmittel sind in die Wissenschaft geflossen. Nach der Stiftung Caesar und der Gründung der Fachhochschulen steht an 3. Stelle das b-it. Darin spiegelt sich auch eine Schwerpunktbildung in der Stadt Bonn. Von dem damals diskutierten 5-Säulen-Modell für den Stukturwandel haben sich die Säulen Wissenschaft und Internationales als besonders tragfähig erwiesen (und sind meine politischen Schwerpunkte). Und das B-IT steht ganz exemplarisch für die Verknüpfung dieser beiden Themen.

Verschiedene Masterstudiengänge und Exzellenzprogramme wurden aufgebaut, und ganz im Sinne des Bologna-Prozesses international ausgerichtet. Die Unterrichtssprache ist Englisch und die Studierenden kommen aus aller Welt, um sich u.a. in den Bereichen Life Science Informatics, Media Informatics und Autonomous Systems zu qualifizieren und weiterzubilden. Dabei wurden die Räumlichkeiten von B-IT von Anfang an auch weiteren Interessierten für den wissenschaftlichen Austausch in Konferenzen oder Workshops zur Verfügung gestellt, auch das will ich an dieser Stelle anerkennend erwähnen. Dies gilt insbesondere auch für die Kooperation mit Schulen. Der erst kürzlich stattfindende Schüler-Kryptotag zeigt, dass das B-IT – entgegen mancher Meinung – keine elitäre Bildungseinrichtung ist, sondern sich auch nach aussen (unten) öffnet. Ich möchte meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass solche Ereignisse auch in Zukunft noch Bestand haben werden!

Herr Prof. Cremers steht nicht nur für die Ausgestaltung von B-IT in der heutigen Form. Er steht immer auch für die Einbindung in die gesamte Wissenschaftsregion. Durch seine vielfältigen Kontakte kann er durchaus als weltweites Netzwerk betrachtet werden. Prof. Dr. Cremers verkörpert Forschung und Lehre in besonderer Weise. Er kann auf über 40 Jahre Dozententätigkeit zurückschauen und war in zahlreichen Fachgesellschaften und Kuratorien wissenschaftlicher Institute tätig. Die Lehrtätigkeiten für internationale Studierende waren ihm besonders wichtig. Als Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Bonn und als Prorektor für Planung und Finanzen warb er zusammen mit Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Disziplinen zahlreiche Forschungsprojekte ein und förderte so auch den Einsatz der Informationstechnologie in anderen Fachbereichen. Herr Prof. Dr. Cremers war sich dabei nicht nur seiner Verantwortung für die Wissenschaft bewusst, sondern hatte immer auch die Verantwortung für seine Mitarbeiter im Blick. Eine nicht unmittelbare, aber dennoch kausale Folge seiner Entscheidung Ende der 1980er Jahre den Ruf nach Bonn anzunehmen ist, dass ich als Bürgermeisterin der Stadt Bonn die Grüße und besten Wünsche der Stadt überbringen darf. Denn auch ich gehöre zu denen, die sich vor ca. einem Vierteljahrhundert auf den Weg von der Ruhr an den Rhein gemacht haben. Darüber freue ich mich sehr und möchte auch ganz persönlich meine Verbundenheit aussprechen. Unerheblich, wo der Weg ihn hinführt, hoffe ich, dass Bonn für Herrn Prof. Dr. Cremers immer eine zweite Heimat bleibt. Ich wünsche ihm alles Gute und gutes Gelingen für anstehende Projekte und – nicht zuletzt – in allen persönlichen Dingen.

In Bonn sind ca. 10.000 IT-Beschäftigte angesiedelt. Der Anteil der IT-Beschäftigten an den Gesamtbeschäftigten liegt mit 6,1% ausgesprochen hoch. Nach einer Untersuchung der Europäischen Kommission zu „Europäischen Zentren der IT-Exzellenz“ belegt Bonn bei den deutschen Städten einen guten vierten Platz, dem nur noch die Städte München, Karlsruhe und Darmstadt voranstehen. Persönlich wünschte ich mir, dass Bonn in der Sichtbarkeit aus diesem Faktum mehr herausschlägt !
In Bonn bildet das Thema IT-Sicherheit und Cybersecurity einen ausgeprägten IT-Schwerpunkt – nicht nur in der Wissenschaft. Neben der Deutschen Telekom beschäftigen sich auch zahlreiche mittelständische Unternehmen mit diesen Ansätzen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat seinen Sitz in Bonn und soll in naher Zukunft ausgebaut werden.
Es wird deutlich, dass sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Zukunft ergeben. Die Stadt Bonn möchte die Zusammenarbeit gerne weiter führen und zusammen mit dem neuen wissenschaftlichen Direktor, Herrn Prof. Dr. Wrobel, fortentwickeln. Dass ein Vertreter der Stadt zum Führungswechsel im b-it eingeladen ist, ist – denke ich – auch ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bonn und dem Bonn-Aachen International Center for Information Technology.