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Jahreshauptversammlung 2017 des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz

Ich freue mich sehr, dass der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz seine Jahrestagung 2017 in Bonn ausrichtet.
Bonn ist vielseitig, Bonn ist spannend und Bonn ist lebendig. Unsere Stadt gehört zu den wenigen Großstädten in Deutschland mit nach wie vor wachsender Einwohnerzahl. Die Herrschaft der Römer und der Kurfürsten, die Musik Ludwig van Beethovens, die Kunst August Mackes und die Bundespolitik seit Konrad Adenauer haben unsere Stadt geprägt.
Heute sind wir eine internationale Stadt, in der rund 320.000 Menschen aus 180 Nationen friedlich zusammen leben. Neben den rund 20 UNO-Organisationen haben auch mehr als 150 Nichtregierungsorganisationen ihren Sitz in Bonn. Unsere Stadt kann auf eine mehr als 2000jährige Geschichte zurückblicken, meine Damen und Herren, damit gibt es auch für die kommunale Denkmalpflege einiges zu tun. Der Denkmalbestand in Bonn beträgt zirka 4150 – inklusive der Bodendenkmäler. Bonn ist damit nach Köln mit zirka 9000 die Stadt in NRW, die den größten Denkmälerbestand aufweist.

So befindet sich beispielsweise auch das Collegium Albertinum im Bereich eines Bodendenkmals. Die „Römische Siedlung“ Bonn, Teilbereich Hofgarten /Stadtgarten aus dem ersten Jahrhundert nach Christi liegt uns gewissermaßen zu Füßen.
Grabungen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege im Jahr 1988/89 ergaben römische Siedlungsfunde im Innenhof des Collegium Albertinum/ und im Bereich des Hotels Königshof.
Sie haben mit dem Collegium Albertinum also einen Ort gewählt, der passender nicht sein könnte. Das Albertinum ist eines der wenigen Gebäude in Deutschland, das aufgrund der stark angestiegenen Zahlen der Theologiestudenten an der Bonner Universität Ende des 19. Jahrhunderts als Theologenkonvikt neu erbaut wurde.

Lieber Herr Prof. Wilhelm, Sie haben in Ihrer Rede das vielfältige Engagement des Landschaftsverbands Rheinland betont, der dem Rheinischen Verein eng verbunden ist.  Auch die Stadt Bonn weiß das Engagement des Landschaftsverband sehr zu schätzen. Wir sind nicht zuletzt Standort einer LVR-Klinik, die überregionale Bedeutung hat. Und zudem eine baukünstlerische Sehenswürdigkeit darstellt. Das Bauprogramm der Landeskliniken im 19. Jahrhundert hat damals modernste medizinische, psychologische und städtebauliche Aspekte berücksichtigt. 
Kliniken, in denen Menschen gesund werden konnten und respektvoll behandelt wurden. Verzeihen Sie mir, wenn ich das gesondert hervorhebe, aber ich lebe dort – in einem Teil der Kliniken, die zu Wohnungen umgewandelt wurden. Ich weiß aus erster hand, dass dort auch heute noch Lebensqualität zu finden ist.

Die vielen Baudenkmäler in Bonn, die am Tag des offenen Denkmals immer auch beliebte Besuchsziele sind, sind häufig nur erhalten, weil dem Denkmalschutz verpflichtete Vereine und Bürgerinnen und Bürger sich dafür einsetzen. Sie widmen sich mit viel Idealismus dem Erhalt historischer Bauwerke. Dies tut vor allem aber auch der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.
Der große Bürgerverein in der ehemaligen Rheinprovinz setzt sich für Ehrenamt in Denkmal- und Landschaftsschutzfragen ein und kann dabei selbst auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurückblicken.

Denkmalschutz und Denkmalpflege sind ambivalente Themen, die Bauherren manchmal als lästig empfinden. Auch bei der Stadtplanung und der Weiterentwicklung städtischer Viertel gibt es hier manchmal Interessenkollisionen. Das ist in Bonn in der Vergangenheit oft auch sehr öffentlichkeitswirksam diskutiert worden, denn wir sind eine Stadt des Wandels.
Nach der Entscheidung, Parlament und Teile der Regierung nach Berlin zu verlagern hat die Stadt einen einzigartigen Strukturwandel gemeistert, der gerade auch im ehemaligen Regierungsviertel besonders wahrnehmbar wird. Der ehemalige Plenarsaal des Deutschen Bundestages ist heute Teil des World Conference Center Bonns in dem im Herbst der 23. Weltklimagipfel der Vereinten Nationen stattfindet. Über 20.000 Delegierte und Konferenzteilnehmer aus aller Welt werden hierzu in Bonn erwartet.

Viele unserer Denkmäler stehen im Rampenlicht, manche blühen auch nur im Verborgenen. Sie alle aber prägen unsere Stadt, denn was wäre Bonn ohne seine besondere Vergangenheit, was ohne deren sichtbare Zeugnisse? Es steht außer Frage, dass gerade deshalb Denkmalpflege und Denkmalschutz zu den ganz wichtigen Aufgaben für Verwaltung und Bürgerschaft gehören. Der RVDL stellt sich dieser Herausforderung mit dem starken Engagement seiner Mitglieder.

Die Stadt Bonn weiß das Engagement des Rheinischen Vereins sehr zu schätzen. Der Verein ist eine feste Größe in der baukulturellen und kulturlandschaftlichen Szene dieser Stadt und ihres Umfeldes. Ich erinnere dafür nur an das kontinuierliche Engagement für das Siebengebirge, in der Diskussion um den Ennertaufstieg und manches mehr.

Mit seinen Angeboten bringt der Rheinische Verein die Kulturdenkmale zum Sprechen. Es braucht solche Ermöglicher und Erklärer wie Sie! Die Stadt Bonn braucht Vereine und die in ihnen zusammengeschlossene Expertise, das Engagement und das Herzblut.
Sie, liebe Damen und Herren, machen Politik und Verwaltung auf Missstände aufmerksam, geben Anregungen, engagieren sich in Gremien wie unserem Unterausschuss Denkmalschutz. Ja und Sie loben uns auch manchmal, was natürlich gut tut.

Ich lobe Sie nun aber auch umgekehrt Sie an einem konkreten Beispiel:

Zuletzt waren Sie 2002 mit Ihrer Jahrestagung in Bonn. Damals in der Beethovenhalle. Wenige Jahre später, 2009 geriet unsere 1959 eingeweihte Stadt- und Konzerthalle in die Diskussion. Ausgerechnet im Jahr des 50. Geburtstags mehrten sich die Stimmen, die einen Abriss zugunsten eines Festspielhausneubaus vorsahen. Das Thema hat die Stadt gespalten.
Ihnen als Rheinischem Verein kommt das Verdienst zu, der erste Unterstützer einer Gruppe von Studierenden gewesen zu sein, die sich 2009 am Kunsthistorischen Institut gebildet hat und unter dem Namen Initiative Beethovenhalle Führungen, eine Ausstellung, ein Kolloquium und eine Publikation zum Bau bewerkstellig hat. Das hat dem öffentlichen Diskurs enorm gut getan. Wir haben dadurch gelernt, worüber wir eigentlich reden. Es war sehr klug, lieber Herr Eckoldt, dass der Bonner Regionalverband damals diese Unterstützung gewährt hat. Eines der Mitglieder der damaligen Initiative ist heute übrigens Ihr Geschäftsführer.

Dass die Mitgliedervsammlung 2017 also nicht in der Beethovenhalle stattfindet, liegt auch daran, dass Sie, lieber Rheinischer Verein, den richtigen Riecher hatten. Unsere Beethovenhalle steht noch! Freuen wir uns auf eine renovierte, in den alten Glanz zurückversetzte und behutsam modernisierte Beethovenhalle. Vielleicht ja auch für eine zukünftige Mitgliederversammlung!

Exkursion des Vereins für geschichtliche Landeskunde im Rheinlande

vereinDas Gros der Teilnehmer der Exkursion kommt hier aus der Region und kennt Bonn wahrscheinlich wie „die Westentasche“. Ich freue mich daher umso mehr, dass so viele an der jährlichen Exkursion des „Vereins für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande“, die nach 1989 – also nach einem Vierteljahrhundert – wieder in unsere Stadt geführt hat, teilgenommen haben.

Die Teilnehmer der Exkursion haben sich heute bereits umfangreich mit verschiedenen Aspekten Bonns beschäftigt. Gerne möchte ich dies noch um eine weitere Sicht ergänzen.
Bonn ist eine weltoffene, internationale Stadt. Wir unterhalten vielfältige Kontakte in Europa, aber auch weltweit in Städtepartnerschaften und Städtenetzwerken. Bonn ist die deutsche Stadt der Vereinten Nationen mit den Schwerpunkten Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung. 18 UN-Einrichtungen und mehr als 150 NGO’s aus den Bereichen Umwelt und Entwicklung arbeiten hier in Bonn.
Unsere Stadt ist Wissenschaftsstadt, ein moderner Wirtschaftsstandort und zudem ein gefragter Konferenzstandort.
Natürlich hat auch die Kultur in Bonn, der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens, ein Zuhause. In allen kulturellen Sparten hat sich ein vielfältiges, lebendiges und erfolgreiches Kulturleben entwickelt. Aber der berühmteste Sohn unserer Stadt spielt natürlich eine ganz besondere Rolle. Jedes Jahr im Herbst findet in Bonn das jährliche Beethovenfest statt. Dann sind weltbekannte Orchester, berühmte Dirigenten und herausragende Solistinnen und Solisten bei uns zu Gast. Im Jahr 2020 werden wir den 250. Geburtstag Beethovens groß feiern. Hierfür sind die Vorbereitungen bereits angelaufen.
Ein weiteres Indiz für unsere Verbundenheit mit Beethoven ist unser Stadtlogo: Wir alle kennen die 9. Symphonie Beethovens, die inzwischen jedem als Europahymne vertraut ist. Die Ode „An die Freude“ ist zu einer Marke geworden und in unserem Logo „Freude. Joy. Joie. Bonn.“ sichtbar verankert.
Unsere Stadt ist lebens- und liebenswert. Gerade die rheinische Mentalität und die entspannte Atmosphäre in unserer Stadt ist das, was die Bonnerinnen und Bonner, aber auch die zahlreichen Gäste unserer Stadt, besonders genießen.

In einer Stadt, die bereits älter als 2000 Jahre ist, haben die Geschichte und die Auseinandersetzung mit Geschichte natürlich eine besondere Bedeutung. Geschichtsforschung und Geschichtswissenschaft sind bedeutende Kulturgüter. Die Beschäftigung mit Geschichte ist eine notwendige Reflexion über die Bedingungen der Gegenwart. Sie alle kennen den bekannten Spruch: „Wer nicht weiß, woher er kommt, kann auch nicht wissen, wohin er geht“. Das Wissen um die eigene Geschichte stiftet Identität. Dabei geht es auch um regionale Identität. Und diese regionale Identität verliert in Zeiten der Globalisierung nicht an Bedeutung. Im Gegenteil, sie gewinnt an Bedeutung, denn regionale Verwurzelung in einem „Europa der Regionen“ wird immer wichtiger.
Gerade unsere Stadt verfügt über zahlreiche allgemeine, regional- und stadtgeschichtliche Einrichtungen, wie beispielsweise das LVR-Landesmuseum, das Amt für Rheinische Landeskunde beim LVR, das Bonner Stadtmuseum oder das Bonner Stadtarchiv. Aber auch die Arbeitsgemeinschaft der Bonner Geschichtsvereine mit ihren mehr als 25 angeschlossenen Mitgliedsvereinen haben das so wertvolle und wichtige Kulturgut Geschichte nicht nur im Blick, sondern fördern es auch und regen zur Beschäftigung damit an.