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Deutsches Museum Bonn vorläufig gerettet!

Das Deutsche Museum in Bonn ist gerettet. Der Stadtrat will den jährlichen Zuschuss auf bis zu 400.000 Euro erhöhen. Zusammen mit den Fördergeldern ist damit die Basisfinanzierung gesichert. Das Museum in Bonn ist eine Außenstelle des Deutschen Museums in München. Es präsentiert Exponate und Experimente von Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Erfinder*innen.
Das Deutsche Museum Bonn ist seit 20 Jahren ein Ort der Wissensvermittlung und insbesondere der MINT-Förderung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Es ist bestens in das Netzwerk der wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen der Region eingebunden. Die angebotenen Vorträge, Workshops und Ausstellungen werden sehr gut besucht, insbesondere auch von Frauen und Mädchen.
Die Bedeutung des Deutschen Museums in Bonn geht weit über die Kommune hinaus. Der Fokus des Hauses liegt nicht die Dauerausstellung als „Museum“. Der Wert des Deutschen Museums Bonn liegt in der Funktion der Vermittlung von Wissenschaft, als ausserschulischer Bildungsort, als Kommunikationsplattform zwischen wissenschaftlichem „Elfenbeinturm“ und der Gesellschaft. Dies manifestiert sich in themenbezogenen Ausstellungen, in Vorträgen, in Veranstaltungen u.v.m.

Zur Sicherung des Deutschen Museums Bonn wird die Stadt Bonn ab dem Jahr 2019 ihren Zuschuss auf bis zu 400.000 Euro pro Jahr erhöhen, wie der Stadtrat am 30. März 2017 beschlossen hat. Das Deutsche Museum benötigt eine Basisfinanzierung der öffentlichen Hand von 600.000 Euro im Jahr. Weitere Projektmittel in gleicher Höhe sollen als Ergänzung vom Förderverein sowie anderen privaten und öffentlichen Trägern in gleicher Höhe eingeworben werden. Neben den zukünftig 400.000 Euro der Stadt Bonn hat der Rhein-Sieg-Kreis eine jährliche Förderung von 75.000 Euro ab 2017 beschlossen. Die Dr.-Hans-Riegel-Stiftung wird 28 000 Euro im Jahr 2018 beisteuern und jeweils 100 000 Euro für die Jahre 2019 und 2020.

Ausstellungseröffnung „MeerErleben“ im Deutschen Museum Bonn

WJ2016_BMBF_4CHeute Abend wird die Ausstellung „MeerErleben“ eröffnet. Das Deutsche Museum Bonn, das Wissenschaftszentrum Bonn sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft präsentieren im „Wissenschaftsjahr 2016/17 – Meere und Ozeane“ eine Ausstellung, bei der die Besucherinnen und Besucher in die Welt der Meere abtauchen und den Lebensraum „Meer“ interaktiv erkunden können.

Jeder Altersgruppe soll dabei Wissenswertes rund um das Thema „Ozeane und Meeresforschung“ vermittelt werden. Man erhält Informationen über die Tierwelt des Meeres, die Bedeutung der Meere für den Planeten oder über das Verhältnis zwischen Menschen und Meer.

Aber was hat Bonn mit Meeresforschung zu tun? Eine ganze Menge! Viele Bonner Forscherinnen und Forscher beschäftigen sich in nationalen und internationalen Forschungsverbünden mit Fragestellungen zum Thema Meeresforschung.

  • Das Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn führt beispielsweise weltweite Messungen der Erdoberfläche durch und stellt Veränderungen der Erdoberfläche dar.
  • UN-SPIDER, die deutsche Plattform der Vereinten Nationen für raumfahrtgestützte Informationen für Katastrophenmanagement und Notfallmaßnahmen, vermittelt die Anwendung von raumfahrtgestützten Technologien für Katastrophenmanagement und Notfallmaßnahmen. Der Bezug zur Meeresforschung ergibt sich dabei durch Einsätze bei Überflutungen bzw. die Entwicklung von Frühwarnsystemen.
  • Das Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie untersucht „vergangene Meere“
  • und im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig werden verschiedene Projekte im Bereich der Sedimentologie und Meeresbiologie durchgeführt.

Zwischen Bonn und dem Meer bestehen also viel mehr Verbindungen als man denkt.

Bonn hat eine hohe Dichte an Kulturinstitutionen und Museen. Das vielfältige Kulturprogramm wird von den Bürgerinnen und Bürgern, vor allem aber auch von Kindern und Jugendlichen, gut und gerne angenommen. Das Deutsche Museum ist ein wichtiger Bestandteil unserer Museumsmeile. Als Kooperationspartner des Deutschen Museums haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die „Wissenswerkstatt“ des Rheinlandes trotz Finanzierungsschwierigkeiten zu erhalten. Wir werden als Stadt ab dem Jahr 2018 einen jährlichen Zuschuss zur Verfügung stellen. Darüber hinaus werden weitere Projektmittel sowie Mittel des Fördervereins generiert. Der Rhein-Sieg-Kreis hat seine Unterstützung zugesichert, weitere Gebietskörperschaften der Region sind angefragt. Wir hoffen, dass es uns so gemeinsam gelingen kann, den Weiterbestand des Deutschen Museums zu ermöglichen.

Mein Dank geht an die zahlreichen Akteure, Veranstalter und Förderer dieser Ausstellung, allen voran an das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Ohne sie alle wäre die Ausstellung „MeerErleben“ nicht möglich gewesen. Gerne nutze ich die heutige Gelegenheit aber auch, um den Mitgliedern des Fördervereins „WISSEN schaf(f)t SPASS“ von Herzen zu danken. Durch deren Mühe und deren Engagement konnte das Ausstellungsangebot des Deutschen Museums Bonn aufrechterhalten und um die heutige Ausstellung erweitert werden. Das wissen wir als Stadt, aber auch die Bonner Bürgerinnen und Bürger sehr zu schätzen. Hoffentlich kann das Museum noch lange auf eine Vielzahl von Unterstützern bauen. Nur so wird es möglich sein, dieses einmalige Museum in der Bonner Kulturlandschaft zu erhalten!

Generalversammlung 2015 der Görres-Gesellschaft

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Die Generalversammlung der Görres-Gesellschaft 2015 findet in Bonn statt und die festliche Eröffnung in der Aula der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Ich heiße alle Teilnehmer zunächst einmal herzlich willkommen! Als Bürgermeisterin berichte ich gerne einige Fakten zu mehr oder weniger aktuellen Geschichte der Stadt.

Bonn wurde in der 2000-jährigen Stadtgeschichte von unterschiedlichsten Einflüssen und Ereignissen geprägt: Von der Herrschaft der Römer und der Kurfürsten, von der Musik Ludwig van Beethovens, von der Kunst August Mackes und natürlich von der Bundespolitik seit Konrad Adenauer.
Heute leben und arbeiten hier rund 320.000 Menschen aus über 180 Nationen friedlich zusammen. In den Einrichtungen der Vereinten Nationen und bei den rund 150 Nichtregierungsorganisationen, die in Bonn ihren Sitz haben, wird an den Themen gearbeitet, die für die Zukunft unserer Welt entscheidend sind: Klima- und Umweltschutz, menschliche Sicherheit bei und Frühwarnung vor Naturkatastrophen.
Als zweites politisches Zentrum Deutschlands nimmt Bonn wichtige gesamtstaatliche Aufgaben wahr.
In unserer Stadt haben sich in den letzten Jahren zahlreiche neue Institute, Forschungseinrichtungen und Fachhochschulen etabliert. Eingebettet in das von den Städten Aachen, Bonn und Köln (Cologne) gespannte Dreieck der „ABC-Region“, die als die dichteste Forschungs- und Technologielandschaft in Europa gilt, hat unsere Stadt sich einen internationalen Ruf als Wissenschaftsstadt erarbeitet.
Auch die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität trägt hierzu maßgeblich bei. In ganz vielen Bereichen ist sie zudem ein wichtiger und unverzichtbarer Bildungspartner für die Stadt. Hierfür sind wir sehr dankbar, denn Bildung ist unser Kapital.
Das Kapital unserer Stadt, das sind die überdurchschnittlich vielen gut ausgebildeten Menschen. Sie erarbeiten das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Nordrhein-Westfalen. Für mehr als 25 Prozent der Arbeitsplätze in Bonn wird ein Hochschulabschluss erwartet – das ist doppelt so viel wie anderswo. Da ist es gut, dass fast ein Drittel unserer Einwohner über 15 Jahre einen Hochschulabschluss hat; auch das ist mehr als doppelt so viel wie anderswo. Und mehr als die Hälfte unserer Einwohner über 15 Jahre hat eine Hochschulzugangsberechtigung; zum Vergleich: in NRW sind es nur 30 Prozent. Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut erteilte bei seinem Städteranking Bonn Bestnoten im Bereich Bildung. Dies ist Anerkennung und Ansporn zugleich.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich in unserer Stadt Spitzenforschung und eine dynamische Dienstleistungsbranche mit rheinischer Lebensfreude verbinden. Die wunderbare Landschaft trägt ihr Übriges dazu bei, dass sich hier nicht nur die Bonnerinnen und Bonner, sondern auch die zahlreichen Gäste unserer Stadt, wohlfühlen. Bonn ist vielseitig, Bonn ist spannend und Bonn ist lebendig. Ich hoffe sehr, dass alle Teilnehmer ger Generalversammlung in den kommenden Tagen noch Gelegenheit haben werden, unsere Stadt zu entdecken. Dabei wünsche ich Ihnen viel Freude! Der Generalversammlung wünsche ich gutes Gelingen!

Der Kampf um das Deutsche Museum Bonn (DMB) geht weiter

Al Chwarizmi, der Begründer des Begriffs Das Deutsche Museum Bonn ist ein wichtiger – vielleicht sogar unverzichtbarer – Bestandteil der Wissenschaftsstadt Bonn. Die Koalition im Rat der Stadt Bonn hat mit der Verabschiedung des Haushaltes im April mehrheitlich das Ende der Finanzierung der Wissenschaftskommunikationsplattform beschlossen. Ich habe, als Wissenschaftspolitikerin und langjährige Unterstützerin des Deutschen Museums Bonn, persönlich den Kürzungsbeschluss nicht mitgetragen und dem Haushalt daher nicht zugestimmt.

„Mehrheit“ ist nicht gleichzusetzen mit „Alle“. Der mehrheitliche Beschluss ist in den Fraktionen kontrovers diskutiert worden. Daher gibt es immer noch Hoffnung für das DMB! Schon jetzt ist mit dem gültigen Beschluss vorgesehen, die Personalstellen weiterzufinanzieren. Zur Diskussion steht an erster Stelle die aktuelle Liegenschaft im Wissenschaftszentrum, die mit ihrer Grösse einen enormen Mietkostenaufwand bedeutet.

Die Bedeutung des DMB geht weit über die Kommune hinaus! Vor allem muss immer wieder klar gestellt werden, dass der Fokus des Hauses nicht die Dauerausstellung als „Museum“ ist! Der Wert des Hauses liegt in der Funktion der Vermittlung von Wissenschaft, als ausserschulischer Bildungsort, als Kommunikationsplattform zwischen wissenschaftlichem „Elfenbeinturm“ und der Gesellschaft. Dies manifestiert sich in themenbezogenen Ausstellungen, in Vorträgen, in Veranstaltungen u.v.m.
Der naturwissenschaftlich-technische Bereich und die sogenannten MINT-Fächer werden durch das DMB gestärkt, wodurch wiederum ein Schwerpunkt Bonns, die IT-Stadt, gefördert wird. Im IT-Bereich fehlt immer noch eine angemessene Beteiligung von Frauen und Mädchen, da diese in den herkömmlichen Bildungsgängen meist nicht in der richtigen Weise angesprochen werden. Diese Lücke wird teilweise vom DMB geschlossen.

Während das Deutsche Museum München aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wird, wird ein Haus dieser ausserordentlich Bedeutung und Strahlkraft in Bonn ausschliesslich durch den Kommunalhaushalt getragen. Ahnliche Häuser an anderen Orten haben mehrere Träger! Daher begrüsse ich den Vorstoss der regionalen Wirtschaft, ausgesprochen durch die IHK Bonn/Rhein-Sieg, ausserordentlich! Ein Förderverein der Industrie für das DMB ist ein Schritt in die richtige Richtung! Wenn es es ernsthafte Vorschläge zur Mitfinanzierung des deutschen Museum Bonn gibt, werden sich die Grünen im Rat der Stadt Bonn einer Weiterführung der Wissenschaftskommunikationsplattform nicht verweigern.

Podiumsdiskussion: Intelligente Dinge – Helfer oder Herrscher?

follow meGestern fand in der Bundeskunsthalle die dritte Veranstaltung der Talkreihe zur Digitalen Gesellschaft „Follow Me“ statt.  Das Thema „Intelligente Dinge – Helfer oder Herrscher?“  war spannend: wie weit lasse ich mich als Mensch auf die neue Technik ein?  Wie weit bin ich bereit, Verantwortung an eine autonome Maschine abzugeben?  Wie sind sie Geschäftsmodelle  der digitalen Gesellschaft? Die Veranstaltung überrraschte mich qualitativ, vor allem durch die gute Besetzung des Podiums. Auch der Moderator machte einen ausgesprochen guten Job, selbst wenn er sich zeitweise an dummen frauendiskriminierenden Klischees festhielt.

Constanze Kurz,  Informatikerin und Sprecherin des Chaos Computer Club in Berlin, gab die erfrischendsten Statements zum Thema ab. Ihre Position sagt, dass die Annehmlichkeiten neuer technischer Errungenschaften nicht abzulehnen seien.  Sie forderte jedoch klare Regelungen zur IT-Sicherheit und transparente Geschäftsmodelle.

Klaus Mainzer, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der TU München, überzeugte mich gutem technischen Fachwissen und einer klar definierten Ethik, die jedoch nicht technikfeindlich ist. Er kritisierte, dass der Mensch die Technik an sich selbst misst, sich also zum Maß der Dinge macht, ohne zu hinterfragen, ob es nicht intelligentere Systeme gibt als den Menschen.

Rein Wolfs, Kunsthistoriker und Intendant der Bundeskunsthalle Bonn, machte Aussagen zur Autonomie der Kunst und künstlerischer Objekte. Auch in der Kunst kennt man den Begriff der Verselbstständigung der Dinge.

Angelica und WolframWolfram Burgard, Professor der Informatik und Robotik an der  Universität Freiburg und  ehemaliger Kollege an der Universität Bonn, zeigte die aktuellen Trends in der autonomen Robotik auf. Sein Credo lautet, dass man vorurteilsfrei und angstfrei an die „neuen Helfer“ herangehen sollte. Der Mensch kann sich durch neue Technik auch selbst verbessern.  Es hat mich sehr gefreut, dass wir nach der Podiumsdiskussion noch kurz die Gelegenheit hatten private Erinnerungen auszutauschen!

Veranstaltet wurde die Podiumsdiskussion im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014 von der DFG in Kooperation mit dem Deutschen Museum Bonn.  Ein weiteres schönes Stück Wissenschaftskommunikation in  Bonn. Wir brauchen mehr davon!